Vorwort zu „Die Finanzwirtschaft in der Internetökonomie“

Dieses Buch beschäftigt sich mit einem Stoff, der Menschen und Unternehmen in einer entwickelten kapitalistischen Marktwirtschaft sehr bewegt: Geld und Finanzmittel. Es geht in der Finanzwirtschaft naturgemäß um Unternehmen, dennoch spielen Investoren – also Menschen und Institutionen – die Kapital bereit stellen, eine Kernrolle. In den letzen 10 Jahren hat sich das Verständnis der Wirkungsweisen in dieser Rollenverteilung verändert. Nach der Finanzkrise 2008/2009 wurde die Behavioral Finance endlich ernster genommen, denn sie zeigt klar auf, dass die Grundannahmen der neoklassischen Finanzmarkttheorie überaus realitätsfern sind: Menschen haben einen anderen, einen verzerrten und teilweise sehr emotionalen Zugang zu Geld und Kapital. Sie verhalten sich nur beschränkt rational und dieses Verhalten hat explizite Auswirkungen auf Spar- und Investitionsentscheidungen. Sie investieren in Titel, an die sie vielleicht emotional gebunden sind, sie haben mentale Konten und sie überschätzen ihre Fähigkeiten in Geldsachen. Auf der anderen Seite sind viele Sparer nicht in der Lage, ein Vermögen aufzubauen, weil sie einfach nicht den Mut und das Wissen haben, Geld anzulegen. Die Portfoliotheorie wurde von Markowitz 1952 entwickelt – also vor über 64 Jahren: sie ist einfach und – wenn man die mathematischen Details weg lässt – leicht verständlich. Die Finanzinstitutionen haben dieses Wissen bei ihren geringer verdienenden Klientel nicht in der notwendigen Weise entwickelt und natürlich gibt es Größenvorteile, denn große Geldvermögen lassen sich mit größerem Erfolg nach der Portfoliotheorie erfolgreich gestalten.

Die Internetökonomie ist eine Ökonomie des Teilens von Wissen und Informationen. Hier können alle Nutzer an Finanzwissen teilhaben, sie können auch kleinteilig investieren und sie können nach ihren Möglichkeiten ein Vermögen aufbauen. Die technischen Möglichkeiten von Big Data und des Maschineneinsatzes sind für große und kleinere Vermögen verfügbar; die medialen Potentiale helfen eher den Nutzern mit kleineren Vermögen, denn in Bewegtbild- und in Erklärform lassen sich die Vor- und Nachteile von Portfoliobildungen leichter nachzuvollziehen. Das Sprachprogramm Siri von Apple ist heute in aller Munde, in wenigen Jahren wird uns eine Roboberater mit der sympathischen Stimme von Siri bei Finanzfragen unterstützen. Es wird wahrscheinlich den Sparern nicht empfehlen, all ihr Geld auf ein niedrig oder gar nicht verzinstet Sparkonto zu legen oder alle Finanzmittel plus einem Kredit in ein Eigenheim zu investieren. Robosiri würde in Bild- und Erklärform die einfachen Anwendungen der Portfoliomodelle an den Nutzer bringen – der Stoff wird dadurch unterhaltsamer, auch wenn er immer noch trocken ist. Simulationsmodelle zeigen Alternativen auf – entscheiden wird natürlich immer noch der Nutzer, der sich im Netz in Communities sehr schlau gemacht hat.

Die Kapitalmarktheorie ist eine mächtige Theorie und sie wird noch bedeutsamer, wenn man sie mit den Theorien der Behavioral Finance und den Gesetzen der Internetökonomie verknüpft. Je mehr die Nutzer über die Wirkungsweisen und die Fallstricke der Kapitalmarktwelt wissen, desto erfolgreicher können Sie im Verbund mit anderen (in der Crowd) investieren, je mehr sie über das Verzerrungspotential in ihren Handlungen wissen, desto besser sind sie vorbereitet. Der Vormarsch der Indexfonds ist ein gutes Beispiel für die Möglichkeiten einfacher und nachvollziehbarer Finanzprodukte, das Crowdinvesting entwickelt sich gerade und die Roboberater haben ihren Siegeszug gerade erst begonnen. Unternehmen müssen in Zukunft noch stärker Vertrauen gewinnen, indem sie Informationen über ihr Geschäftsmodell und ihre Geschäftsentwicklung im Netz teilen.
Das Netz ist der Nukleus für die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung der Zukunft. Big Data, Machine-Learning, Crowdinvesting, Blockchain – das sind Themen aus dem Buch von Prof. Meisner „Die Finanzwirtschaft in der Interneökonomie“, über das auf diesem Blog immer wieder mal eingegangen wird. Prof. Meisner berät junge und ältere Unternehmen in Fragen Crowdlending und Crowdinvesting. Schauen Sie unter meisnerconsult.de

Einsichten kommen erst, wenn keine Aussichten mehr bestehen.

so © Ernst Reinhardt (*1932), Dr. phil., Schweizer Publizist und Aphoristiker

Interessant wenn man folgendes Zitat aus dem Wall Street Journal vom 21.7.16 liest:

“For the past 30 years we’ve been saying don’t try to tax capital more because you’ll lose it, you’ll lose investment. Well this argument is dead, so it’s worth revisiting the whole story,” Pascal Saint-Amans, the OECD’s tax chief, said in an interview.”

Tja, ist es wirklich schon zu spät oder gibt es da doch noch Bewegung….siehe auch den Artikel unten der folgt…

Nutzung von Maschinen und Robotern: wer gewinnt den Zukunftsjackpot?

In folgendem populär gehaltenen Spiegel-Online-Artikel vom 2.8.16 werden einige gängige Überlegungen zu den Möglichkeiten von Arbeitsplatzeffekten einer stärkeren Robotisierung in der Industrie und bei den Dienstleistungen diskutiert – und dies geschieht in der Art, wie die Medien dieses Thema erfassen. Es bleibt recht unbestimmt, welche wirtschaftlichen Auswirkungen diese “Revolution” haben wird. Bessere künstliche Intelligenz und die – erklärt durch das Gesetz von Moore – exponentiell steigende Rechnerleistung werden in der Tat dramatische Auswirkungen auf das wirtschaftliche Geschehen haben: wenn die Kosten für die Robotereinheit stark schrumpfen und diese noch gleichzeitig immer leistungsfähiger werden (siehe Studie von BCG hier), dann wird es nach den Gesetzen der Marktwirtschaft zu einer starken Substitution von auch besser ausgebildeten Arbeitskräften kommen. In der BCG Studie wird aber auch darauf hingewiesen, dass kleine Unternehmen durchaus große Vorteile aus diesem Robotertrend ziehen können. Hier ergeben sich Anknüpfungspunkte für dezentrale wirtschaftliche Strukturen.

Die eigentlich spannende Frage ist demnach, wer diese neuartigen Produktionsmittel besitzt und die von uns schon angesprochene Dividende einfährt. Hier fällt den Autoren – wer will es ihnen verdenken – nichts besseres ein, als das “bedingungslose Grundeinkommen” zu besprechen. Ohne in die Tiefen einer Verteilungsdiskussion einzutauchen, sei an dieser Stelle an die von T. Piketty aufgezeigte Tendenz bei der Einkommens- und Vermögenskonzentration verwiesen. Das Gesamtbild dürfte demnach nicht allzu optimistisch ausfallen, denn die Internetökonomie hat die Vermögenskonzentration noch verschärft. Piketty hatte nicht nur die technische Entwicklung vor Augen, als er prognostiziert hat, dass die Vermögensverteilung eine große Herausforderung für unsere Demokratie und unser soziales System bilden wird.

Insofern muss sich die Politik auf diese neuen Herausforderungen einstellen und eine dramatisch veränderte Steuer- und Verteilungspolitik in Angriff nehmen. Es wird aber auch darum gehen, dezentrale wirtschaftliche Strukturen zu fördern, die von dem Maschinentrend profitieren könnten.

Ich analysiere in meiner zweiten Auflage der “Finanzwirtschaft in der Internetökonomie” viele Aspekte der neuen Maschinen- oder Internetökonomie für die Finanzwirtschaft – das Buch erscheint im nächsten Frühjahr im Springer Verlag.

Siehe auch ergänzend den Zeitartikel Online vom 22-09-16!

Es ist soweit: Die Digitalisierung erfordert einen deutlichen Blick über den Tellerrand…

Die Digitalisierung – vor allem in der Finanzwirtschaft – ist Thema dieses Blogs. Es fällt auf, dass die Medien sehr unstrukturiert mit den Ängsten, die mit der Digitalisierung einhergehen, umgehen. Das was da kommt, stellt in der Tat die gesamte Wirtschaft auf den Kopf: das Arbeitseinkommen geht in seiner Bedeutung zurück, die digitale Dividende verteilt sich nur auf einige Vermögensbesitzer und verschärft die weltweit vorhanden Vermögensungleichheiten.
In dem folgenden Beitrag von Thomas Straubhaar in der Zeit-Online vom 2.6.16 geht es um diese Zusammenhänge – die notwendige Frage wird diskutiert, was passiert, wenn das Arbeitseinkommen in seiner Bedeutung immer weiter verliert………

Was die Digitalisierung in der Finanzwirtschaft betrifft, so zeigen Prognosen (siehe Stat. Bundesamt – Digital Market Outlook), dass weltweit die automatisierte Anlageberatung um jährlich 40 % wächst bis 2020 (in Deutschland um 68 %) und dass die Vermittlung von Privatkrediten über Finanzierungsplattformen weltweit um 66 % jährlich wächst bis 2020 (in Deutschland um 52 %). Auch hier gilt: die Digitalisierung kommt nicht – sie ist schon da und wird das Bankenwesen in seinen Grundfesten erschüttern!

Wer einen Blick auf die generellen Herausforderungen der digitalen Entwicklung werfen möchte…hier zum Youtube-Video.

Helikopterphilosophie – warum die herrschende Geldpolitik ins Aus führt…

Auch wenn sicherlich umstritten ist, inwieweit die Helikopterphilosophie von Milton Friedman den heutigen Bedingungen der Geldpolitik entspricht, so ist es doch eindeutig so, dass EZB-Chef Draghi am Ende seine Lateins angekommen ist (der diese Überlegung mit dem Geldabwerfen mittels eines Helikopters auch nicht für völlig unrealistisch hält…). Draghi wünscht sich Unterstützung von der staatlichen Fiskalpolitik (Artikel in der Zeit vom 10.03.16) – eigentlich nicht verwunderlich, weil die Konsequenzen seiner Geldpolitik ernüchternd sind. Denn Nullzinsen bedeuten auch das Ende von zahlreichen Sparbemühungen von Kleinsparern, die leider nicht anders wissen mit ihrem wenigen Geld umzugehen, als es auf negativ verzinste Sparkonten zu frachten, die keiner mehr will. Diese ökonomische Schieflage – so viele Bereiche, die eigentlich Geld benötigen und andererseits Geld auf der “Müllhalde” – ist Ausdruck einer grandiosen Fehllenkung von Ressourcen, und die meisten Ökonomen stehen mehr oder weniger ratlos davor.

In einer so dynamischen Zeit (zum wiederholten Maße wird die Internetökonomie an dieser Stelle auf den ihr gebührenden Sockel gehoben) immer wieder mit völlig veralteten Instrumenten zu arbeiten, deutet auf ein derart konservatives Verständnis von Wirtschaft hin, dass die Folgen davon sehr hart sein können. Die zeitgleichen Verwerfungen in der Weltwirtschaft (Stagnation in wichtigen Märkten, Verschuldungsproblematik, neue technische Herausforderungen, Armutsschere weltweit, vernachlässigte Infrastruktur etc.) gehen einher mit der oben genannten Fehllenkung. Neue Konzepte werden im großen Stil nicht erörtert – man bleibt in alten Bahnen und sieht nicht, dass es einer notwendige Renovierung (oder auch Auslöschung) der alten Strukturen bedarf. Der Blick wird daher in Zukunft eher auf Mikrostrukturen gelenkt und weniger auf die großspurigen Makrostrukturen. Daher der Schwerpunkt dieses Blogs: Ausgangspunkt sind die Möglichkeiten der algorithmischen Lenkung und der P2P-Strukturen (also der Blick auf den durch die Internetökonomie ermöglichten direkten Finanz- und Ressourcenaustausch z.B. zwischen Anlegern und Anlegern oder Anlegern und Unternehmenseinheiten….). Dies scheitert noch an der Bereitschaft der Menschen, diese neue Welt wirklich anzuerkennen, obgleich sie mitten darin sind…………

E-Finance Lab Konferenz in Frankfurt

Am 16. Februar fand in Frankfurt eine interessante Konferenz zum Thema Big Data und Entitiy Identification statt. Diese elementaren Betrachtungen sind entscheidend für Regulierungs- und Steuerungsaspekte im Finanzsystem. Wohin geht die technologische Entwicklung? Es ist ein spannender Bereich der Finanzsphäre:

Hier der Vortrag zum Thema ACTUS und zum Thema machine learning.

Ich werde diese Aspekte in meinem Management- und Lehrbuch “Digitale Finanzwirtschaft” aufgreifen und bin dem E-Finance Lab dankbar für diese interessanten Konferenzen.

Erkenntnisse von Forschern für die UNO: Digitale Dividende…für wen?

Ein wesentlicher Aspekt der Frage, wer denn nun die Nutzniesser der weltweiten Internetökonomie sein werden, hat mit Verteilungsfragen zu tun. Natürlich kennen wir alle die Aussagen der theoret. Mitbegründer der Internetökonomie z.B. Hal Varian, die letztendlich in der Prophezeiung mündeten “The winner takes it all” : Wenn man sich die Ergebnisse der Entwicklung der letzten Jahre (eig. seit dem Erfolg von Google und Facebook) anschaut, sieht man diesen Punkt bestätigt – siehe auch die Oxfam-Studie vom Jan. 16, obgleich hier Kritik an der Erhebungsmethode nicht ganz von der Hand zu weisen ist. (siehe zur der Oxfam-Studie: Artikel in Zeit-Online vom 18.1.16).

Viele weitere Autoren so Erik Brynjolfesson/Andrew Mcafee in “The second Machine Age” oder auch Jeremy Rifkin “Die Nullgrenzkostengesellschaft” beschwören die Chancen der Digitalgesellschaft, die Erleichterungsmöglichkeiten in der Arbeitswelt, die sozialen Entfaltungsmöglichkeiten (vielleicht sogar das Paradies (Rifkin)), aber eines bleibt dabei ein wenig aussen vor: wer fährt die Dividende ein? Viele Jobs werden – auch bei besser qualifizierten Beschäftigungen – verloren gehen, neue Jobs werden kreiert – das Ausmass ist schwer abzuschätzen. Und die Regulierung? Ein Zitat aus der UNO-Studie:
“And where online and offline firms compete, regulators struggle to safeguard consumer and workers interests in a world where the largest taxi company has no cars and the largest hospitality firm owns no real estate.”

Letztendlich sollte man hier die Verteilungsfrage mit verknüpfen, die Piketty (The Capital) in seinem Buch auf den Punkt gebracht hat. Es spricht vieles dafür, dass die Eigentümer der Netze und der Vermögenswerte, die diese technischen Revolutionen mit hervorbringen, auch die große Dividende einfahren werden. Die sitzen natürlich überwiegend in den Industrieländern.
In dem UNO-Report zu diesem Thema – hier die Zusammefassung – können Sie einige wichtige Trends heraus lesen.

In meiner Überarbeitung zur “Digitalen Finanzwirtschaft” (zuvor “User Generated Finance”) werde ich diesen Punkt mit aufgreifen.