Plurale Ökonomik und was dann?

Die Forderungen nach einer stärker pluralen Ausrichtung der Volkswirtschaftslehre sind verständlich – siehe diesen FAZ-Online-Artikel vom 3.12.16 und nachvollziehbar. Aber dennoch gilt: das wissenschaftliche Gebäude, das existiert, wird nach dem Wissenschaftstheoretiker Kuhn erst dann vollständig zur Disposition stehen, wenn ein neues Gebäude erbaut werden kann…und dies ist zurzeit nicht absehbar. Im Übrigen dürfte die Internetökonomie in solch einem Gebäude eine maßgebliche Säule darstellen, denn ohne die Rolle des Netzes würde eine solches Theoriengebäude wanken!

Distributed Ledger Technology and Smart Contracts

In folgender Studie von Capgemini smart_contracts_paper_long wird der Zusammenhang zwischen den Anforderungen der Internetökonomie und der Finanzwelt verdeutlicht. Diese technologische Möglichkeit wird für alle Vertragsbeziehungen im Finanzwesen interessant sein (Retailkredite, Wertpapiergeschäfte, Clearing etc.) – aber vor allem auch für die Finanzierung von Start Ups und kleinen Unternehmen, denn die Reduktion von Transaktionskosten wird das Crowdinvesting und das Crowdlending beflügeln – wenn die Regulierung mitmacht, können auch Kreditfabriken und die Emission von Smart Bonds oder Smart Aktien die Finanzwirtschaft in ein neues Licht tauchen……….
In diesem Blog werden Sie dazu noch einiges lesen…….

Zur Einführung in die Thematik Blockchain verweis ich auf dieses Youtube-Video.

Einsichten kommen erst, wenn keine Aussichten mehr bestehen.

so © Ernst Reinhardt (*1932), Dr. phil., Schweizer Publizist und Aphoristiker

Interessant wenn man folgendes Zitat aus dem Wall Street Journal vom 21.7.16 liest:

“For the past 30 years we’ve been saying don’t try to tax capital more because you’ll lose it, you’ll lose investment. Well this argument is dead, so it’s worth revisiting the whole story,” Pascal Saint-Amans, the OECD’s tax chief, said in an interview.”

Tja, ist es wirklich schon zu spät oder gibt es da doch noch Bewegung….siehe auch den Artikel unten der folgt…

Nutzung von Maschinen und Robotern: wer gewinnt den Zukunftsjackpot?

In folgendem populär gehaltenen Spiegel-Online-Artikel vom 2.8.16 werden einige gängige Überlegungen zu den Möglichkeiten von Arbeitsplatzeffekten einer stärkeren Robotisierung in der Industrie und bei den Dienstleistungen diskutiert – und dies geschieht in der Art, wie die Medien dieses Thema erfassen. Es bleibt recht unbestimmt, welche wirtschaftlichen Auswirkungen diese “Revolution” haben wird. Bessere künstliche Intelligenz und die – erklärt durch das Gesetz von Moore – exponentiell steigende Rechnerleistung werden in der Tat dramatische Auswirkungen auf das wirtschaftliche Geschehen haben: wenn die Kosten für die Robotereinheit stark schrumpfen und diese noch gleichzeitig immer leistungsfähiger werden (siehe Studie von BCG hier), dann wird es nach den Gesetzen der Marktwirtschaft zu einer starken Substitution von auch besser ausgebildeten Arbeitskräften kommen. In der BCG Studie wird aber auch darauf hingewiesen, dass kleine Unternehmen durchaus große Vorteile aus diesem Robotertrend ziehen können. Hier ergeben sich Anknüpfungspunkte für dezentrale wirtschaftliche Strukturen.

Die eigentlich spannende Frage ist demnach, wer diese neuartigen Produktionsmittel besitzt und die von uns schon angesprochene Dividende einfährt. Hier fällt den Autoren – wer will es ihnen verdenken – nichts besseres ein, als das “bedingungslose Grundeinkommen” zu besprechen. Ohne in die Tiefen einer Verteilungsdiskussion einzutauchen, sei an dieser Stelle an die von T. Piketty aufgezeigte Tendenz bei der Einkommens- und Vermögenskonzentration verwiesen. Das Gesamtbild dürfte demnach nicht allzu optimistisch ausfallen, denn die Internetökonomie hat die Vermögenskonzentration noch verschärft. Piketty hatte nicht nur die technische Entwicklung vor Augen, als er prognostiziert hat, dass die Vermögensverteilung eine große Herausforderung für unsere Demokratie und unser soziales System bilden wird.

Insofern muss sich die Politik auf diese neuen Herausforderungen einstellen und eine dramatisch veränderte Steuer- und Verteilungspolitik in Angriff nehmen. Es wird aber auch darum gehen, dezentrale wirtschaftliche Strukturen zu fördern, die von dem Maschinentrend profitieren könnten.

Ich analysiere in meiner zweiten Auflage der “Finanzwirtschaft in der Internetökonomie” viele Aspekte der neuen Maschinen- oder Internetökonomie für die Finanzwirtschaft – das Buch erscheint im nächsten Frühjahr im Springer Verlag.

Siehe auch ergänzend den Zeitartikel Online vom 22-09-16!

oder auch den folgenden FAZ-Online-Artikel vom 18.11.16

Es ist soweit: Die Digitalisierung erfordert einen deutlichen Blick über den Tellerrand…

Die Digitalisierung – vor allem in der Finanzwirtschaft – ist Thema dieses Blogs. Es fällt auf, dass die Medien sehr unstrukturiert mit den Ängsten, die mit der Digitalisierung einhergehen, umgehen. Das was da kommt, stellt in der Tat die gesamte Wirtschaft auf den Kopf: das Arbeitseinkommen geht in seiner Bedeutung zurück, die digitale Dividende verteilt sich nur auf einige Vermögensbesitzer und verschärft die weltweit vorhanden Vermögensungleichheiten.
In dem folgenden Beitrag von Thomas Straubhaar in der Zeit-Online vom 2.6.16 geht es um diese Zusammenhänge – die notwendige Frage wird diskutiert, was passiert, wenn das Arbeitseinkommen in seiner Bedeutung immer weiter verliert………

Was die Digitalisierung in der Finanzwirtschaft betrifft, so zeigen Prognosen (siehe Stat. Bundesamt – Digital Market Outlook), dass weltweit die automatisierte Anlageberatung um jährlich 40 % wächst bis 2020 (in Deutschland um 68 %) und dass die Vermittlung von Privatkrediten über Finanzierungsplattformen weltweit um 66 % jährlich wächst bis 2020 (in Deutschland um 52 %). Auch hier gilt: die Digitalisierung kommt nicht – sie ist schon da und wird das Bankenwesen in seinen Grundfesten erschüttern!

Wer einen Blick auf die generellen Herausforderungen der digitalen Entwicklung werfen möchte…hier zum Youtube-Video.

Helikopterphilosophie – warum die herrschende Geldpolitik ins Aus führt…

Auch wenn sicherlich umstritten ist, inwieweit die Helikopterphilosophie von Milton Friedman den heutigen Bedingungen der Geldpolitik entspricht, so ist es doch eindeutig so, dass EZB-Chef Draghi am Ende seine Lateins angekommen ist (der diese Überlegung mit dem Geldabwerfen mittels eines Helikopters auch nicht für völlig unrealistisch hält…). Draghi wünscht sich Unterstützung von der staatlichen Fiskalpolitik (Artikel in der Zeit vom 10.03.16) – eigentlich nicht verwunderlich, weil die Konsequenzen seiner Geldpolitik ernüchternd sind. Denn Nullzinsen bedeuten auch das Ende von zahlreichen Sparbemühungen von Kleinsparern, die leider nicht anders wissen mit ihrem wenigen Geld umzugehen, als es auf negativ verzinste Sparkonten zu frachten, die keiner mehr will. Diese ökonomische Schieflage – so viele Bereiche, die eigentlich Geld benötigen und andererseits Geld auf der “Müllhalde” – ist Ausdruck einer grandiosen Fehllenkung von Ressourcen, und die meisten Ökonomen stehen mehr oder weniger ratlos davor.

In einer so dynamischen Zeit (zum wiederholten Maße wird die Internetökonomie an dieser Stelle auf den ihr gebührenden Sockel gehoben) immer wieder mit völlig veralteten Instrumenten zu arbeiten, deutet auf ein derart konservatives Verständnis von Wirtschaft hin, dass die Folgen davon sehr hart sein können. Die zeitgleichen Verwerfungen in der Weltwirtschaft (Stagnation in wichtigen Märkten, Verschuldungsproblematik, neue technische Herausforderungen, Armutsschere weltweit, vernachlässigte Infrastruktur etc.) gehen einher mit der oben genannten Fehllenkung. Neue Konzepte werden im großen Stil nicht erörtert – man bleibt in alten Bahnen und sieht nicht, dass es einer notwendige Renovierung (oder auch Auslöschung) der alten Strukturen bedarf. Der Blick wird daher in Zukunft eher auf Mikrostrukturen gelenkt und weniger auf die großspurigen Makrostrukturen. Daher der Schwerpunkt dieses Blogs: Ausgangspunkt sind die Möglichkeiten der algorithmischen Lenkung und der P2P-Strukturen (also der Blick auf den durch die Internetökonomie ermöglichten direkten Finanz- und Ressourcenaustausch z.B. zwischen Anlegern und Anlegern oder Anlegern und Unternehmenseinheiten….). Dies scheitert noch an der Bereitschaft der Menschen, diese neue Welt wirklich anzuerkennen, obgleich sie mitten darin sind…………