Startseite

Bitcoin und Ether: zu teuer für Einsteiger?

Es ist offenkundig, dass die Kryptowährungen – vornan Bitcoin und Ether – eine Hausse erleben, die nicht ganz unerwartet kommt. Leider verteuert sich dadurch für Einsteiger der Eintritt in die Kryptowelt, denn die Zahlungsdienstleister Square und PayPal kaufen fast die gesamten neu geminten Bitcoins auf (siehe https://www.btc-echo.de/bitcoin-verknappung-paypal-und-square-kaufen-neues-btc-angebot-leer) . Wir haben es demnach mit einer Angebotsverknappung und mit einem Trend fallender Bitcoin-Börsenreserven zu tun. (Lt. Btc-Echo s.o.) Seit Februar dieses Jahres sinkt der von Börsen gehaltene BTC-Supply von ehemals 2,97 Millionen Coins um knapp 20 Prozent auf aktuell 2,37 Millionen. Gleichzeitig verteilt sich das Angebot auf immer mehr Adressen. Offensichtlich treibt das die Kurse.
Was nun wieder zu der Frage führt, wie solche Marktveränderungen auf potentielle Krypto-Einsteiger wirken. Es war klar, dass nach der PayPal-Ankündigung der Bitcoin Integration von vor ein paar Wochen die Kurse steigen, aber dennoch sind viele Privatanleger nicht auf den Zug aufgesprungen (die „Spatzen haben es ja laut, aber nicht zu laut von den Community-Dächern gepfiffen“).
Verhaltensökonomisch kann das so interpretiert werden, dass hier eine extreme Risikoscheu (entsprechend der Prospekttheorie von Kahnemann/Tversky) mit der Ambiguitätsverzerrung (also der Neigung der Anleger, wegen mangelnder Informationen und viel Unsicherheit die Möglichkeiten von Vermögensgewinnen zu verpassen) zusammentrifft und vielleicht negative Konsequenzen für den privaten Vermögensaufbau hat, denn Kryptowährungen sind heutzutage – neben Aktien – die einzige Vermögensanlage, die fundierte Vermögenszuwächse ermöglichen. Auch wenn es viele Menschen nicht glauben wollen: Kryptoassets gehören wie Immobilien, Aktien o.ä. ins Portfolio. Die Finanzwirtschaft ist heute besser in der Lage, die Vorgänge auf diesen Märkten mit Hilfe der Behavioral Finance zu analysieren und komplexe Entscheidungsumgebungen aus psychologischer Sicht zu interpretieren.
Angesichts der o.g. Fakten (Verknappung des Angebotes und Einstieg von Zahlungsdienstleistern) kann man davon ausgehen, dass der Bitcoinkurs weiter steigen wird (Rückschlagpotential gibt es natürlich immer noch), aber es bleibt weiterhin eine unbefriedigende Distanz zu der Masse der Kleinanleger, die hier eine Chance verpassen, weil sie dem Markt und dem Vehikel nicht trauen.
Übrigens hat auch Ether mit dem Umstieg auf Ethereum 2.0 (neuer Konsensmechanismus) eine Story bereit für zukünftig wachsende Kurse. Die Kurse sind in der letzten Woche um über 30 % gestiegen.
Eine Lösung könnte sein, mehr Aufklärung zu leisten und die Kryptoinstrumente besser zu erklären. Dies gelingt den Anbietern und Kommunikatoren nur ungenügend.

Crowdinvesting: Rekord bei der Tomorrow-Bank

Das Hamburger Fintech Tomorrow hat in einer ziemlich einzigartigen Crowdinvesting-Kampagne Mitte Oktober in wenigen Stunden 3 Mio. Euro eingesammelt und damit unter Beweis gestellt, dass Narrative und „Stories nach Robert Shiller“ die Haupttreiber der Motivation bei solchen Kampagnen ausmachen.
Tomorrow hat selbst keine Banklizenz (das Unternehmen nutzt die Whitelabel-Bank Solaris); für seine rund 40.000 Kunden (Einlage bisher knapp 73 Millionen Euro) werden Angebote im Bereich nachhaltiger Fonds gemacht – das ist sicher alles schön anzuhören, aber die Bank bietet eine überschaubare Anzahl an Produkten an – lt. Finanzszene.de hat die Bank in diesem Jahr im Monatsschnitt erst 27.500 Euro Umsatz gemacht.
Interessanter ist die Art des Crowdinvestings: mit Hilfe des Enablers Cashlink wurden über die Crowdinvesting Plattform WiWin tokenisierte Genussrechte herausgegeben, also digitale Wertpapiere – offenbar gibt das die Regulierung in Deutschland her (bis zu 6 Mio. € können über Nachrangdarlehen und Genussrechte können per Crowdinvesting eingesammelt werden) – das Projekt könnte Vorreiter für die Finanzierung mittels sog. Security Tokens sein. Vorteile der Blockchain-basierten Finanzierung sind Kostensenkungen und vereinfachte Transaktionsprozesse, denn die Verwaltung vieler Investoren (Audits, Unternehmensberichte, Steuern etc.) bringt bei herkömmlichen Crowdinvesting Projekten viel Aufwand mit sich. Zudem ist geplant (wenn auch das die Regulierung hergibt), einen Sekundärmarkt für solche Token zu etablieren.
Die Laufzeit der digitalisierten Genussrechte liegt zwischen fünf und maximal zehn Jahren, die Investoren erhalten 5 Prozent Zinsen pro Jahr – diese werden allerdings erst rückwirkend ausgezahlt. Neben der Verzinsung gibt es eine Gewinn- und Exit-Beteiligung. Die Anleger könnten auch alles verlieren, wenn das Projekt scheitert.
Die große Frage bei solchen Projekten ist, wie weit das Narrativ trägt. Die Investoren schenken den Aussagen von Tomorrow Glauben, dass die Bank in dem komplexen Dschungel der Finanzmärkte wirklich eine genügend große Nische für die intrinsisch motivierten Anleger findet. Eine Realisierung hängt aber von der Qualität der Produkte, dem Marketing und dem Management ab. Immerhin gibt es schon Banken wie die GLS-Bank, die in diesem Markt bereits erfolgreich agieren.

Was ist eigentlich DeFi?

Decentralized Finance (oder einfach DeFi) ist in aller Munde (zumindest bei den Blockchain-Begeisterten). Defi bezieht sich auf Finanzanwendungen, die auf der Blockchain aufbauen (der Ethereum-Blockchain) und dezentral ausgerichtet sind. Es handelt sich also um ein Open-Source- Finanzdienstleistungssystem, das für alle zugänglich sein soll und ohne jegliche zentrale Stelle operiert. Bei DeFi-Anwendungen übernimmt das Netzwerk die Koordinierungs-, Clearing- und Settlementaufgaben. Die Prozessdarstellung erfolgt über Smart Contracts. Smart Contracts sind Algorithmen, die Transaktionen und Prozesse im Finanzierungsumfeld umsetzen helfen.

Vereinfacht gesagt, könnte jeder an diesem System teilhaben, wenn er das entsprechende Technikverständnis mitbringt. Das erklärt auch, warum Defi zurzeit überwiegend in eingefleischten Bitcoin- und Krypto-Communities so bekannt ist.

Die interessantesten Anwendungsbereiche sind:
Kreditgewährung und Kreditaufnahme: Nutzer leihen und verleihen ihre Kryptowährungen und bekommen bzw. zahlen dafür Zinsen. „Compound“ wäre hier so ein Beispielprotokoll (ein Zinsprotokoll), das das Leihen und Verleihen von Kryptowährungen ermöglich. Für das Verleihen seiner Tokens erhält der Krypto Anleger Zinsen und kann zusätzlich Compound-Tokens verdienen. Auch das Leihen von Kryptowährungen wird mit Compound-Tokens belohnt. Die Zinssätze sind für beide Seiten variabel und richten sich jeweils nach Angebot und Nachfrage der hinterlegten Kryptowährung – also nichts für sicherheitsorientierte Anleger.
Dezentrale Plattformen für Krypto Handel: Der Tausch von Kryptowährungen in andere Kryptowährungen erfolgt ohne zentrale Instanz. So das bekannteste Projekt „Maker“, das als dezentrale Organisation einen Stablecoin (DAI) generiert (dieser wird durch Ether besichert) und dafür wird dann Liquidität für den Krypto Handel, aber auch für eine Kreditgewährung bereitstellt. Dieses dezentrale Projekt ähnelt einem Geldmarktprotokoll, das durchaus in der Lage ist, die Krypto Welt mit der Fiatwelt zu verknüpfen durch den Stablecoin DAI.
Weiterhin gibt es auch Anwendungen für Derivate und Zahlungssysteme.
Eine Anwendung wäre noch hervorzuheben: Yield Farming. Hier werden Erträge generiert, indem Nutzer zum Beispiel auf Uniswap Ethereum Token gegeneinander tauschen. Andere Nutzer haben diese Liquidität vorher bereitgestellt und dafür (inklusive Risikoabgeltung) werden sie mit einem Teil der Transaktionsgebühren belohnt.
Darüber hinaus erstrecken sich die Anwendungen auch auf klassische monetäre Bank- und Versicherungsdienstleistungen.(Quellen zu den Anwendungen: https://academy.binance.com/de/articles/the-complete-beginners-guide-to-decentralized-finance-defi und auch blockchaincenter.net/defi/)
Wie bei jedem Hype kommt es zu starken Schwankungen der hinter den Projekten liegenden Coins, wie das Beispiel von Maker zeigt. Der dahinter liegende Stablecoin konnte seinen Wert gegenüber dem Dollar – entgegen dem Versprechen –, bei stark schwankenden Ethereum Kursen nicht halten; und die relativ neuen Coins des Projektes Compound haben ebenfalls beträchtliche Schwankungen aufzuweisen. Bei Uniswap wurde in letzter Zeit ein stark steigendes Handelsvolumen verzeichnet – zuweilen ware das Volumen höher als bei der bekannten Krypto Börse Coinbase (Quelle: btc-echo vom 5.10.2020).
Vielen Anlegern wird dieser Markt als ein regelrechtes Vabanquespiel vorkommen, zumal in vielen Kommentaren und Berichten in der Kryptoszene der Regulierungsaspekt zu kurz kommt. Genau hier müsste allerdings eine kritische Analyse ansetzen, denn der Hype um die Initial Coin Offerings (2017-2018) ist allen ja noch gut in Erinnerung.
Folglich ist es nur schwer möglich, Kunden abseits der Krypto Welt für diese Konzepte zu gewinnen. Die Beschreibungen sind einfach zu technisch und selbst risikofreudige Anleger können sich nur schwer dieser Welt nähern. Technische Probleme mit Smart Contracts sind denkbar und auch das Skalierungsproblem hat Ethereum noch nicht gelöst (die Transaktionen dauern ggfs. zu lange und sind zu teuer); die Regulierungs- und Anlegerschutzfrage schwebt über all diesen Anwendungen. Offenkundig muss auch hier erst einmal ein Reifeprozess greifen, damit mehr Anleger diese dezentralen Finanzierungsinstrumente nutzen können. Wenn diese Probleme geregelt werden könnten, wäre die dezentrale Finanzierungsschiene eine willkommene Ergänzung zum vorherrschenden Finanzsystem.

Gabelungen……………

Angesichts der Corona-Pandemie, der drohenden ökologischen Katastrophe und der drohenden Rezession sind viele Menschen nicht mehr bereit, das große Ganze zu würdigen. In Sibirien taut der Permafrost, es gibt mehr Waldbrände und leider auch Rodungen im Amazonas, es droht die größte Rezession der letzten Jahrzehnte, eine überbordende Staatsverschuldung etc. ….und es gibt….den Virus. Der erhält – was man durchaus verstehen kann – die meiste Aufmerksamkeit. Viele Mediennutzer werden gleichsam durch sich immer wiederholende, teilweise einfältige Analysen informiert, als wäre eine wahre Bestandsaufnahme den Menschen nicht zuzumuten.
Ein Virus ist über die Welt gekommen und hat die Weltwirtschaft lahmgelegt und rd. 1/3 der Weltbevölkerung in den Shutdown gebracht, das Klima wird sich erwärmen und zwar um mehr als 2 Grad (wenn man kein notorischer Optimist ist, muss man das annehmen) und die aktuelle Depression (aus irgendwelchen Gründen sprechen alle lieber von der harmlosen Rezession) wird durch eine Verschuldungsorgie bekämpft, die ihresgleichen sucht. Man möchte ja kein Spielverderber sein und als Keynesianer erst recht nicht. Es stehen also viele Zeichen auf Sturm und die ökonomische Analyse ist geprägt von Mainstreamökonomie, die schon lange ihr Pulver verschossen hat. Denn da sind ja auch noch die Herausforderungen der Internetökonmie, denn die technischen Entwicklungen gehen ja weiter (das exponentielle Wachstum hier hört nie auf!).
Ökonomen neigen zu verkürzten Modellsichten, die unter besonders einschränkenden Annahmen leiden. Diesen Annahmen – wie vollständige Informationen, rationale Akteure und reibungslos funktionierende Märkte – stehen diametral die erheblichen Verzerrungspotentiale der Marktteilnehmer gegenüber. Es muss grundlegend gezweifelt werden, ob die Märkte und die Politik die oben genannte Gemengelage einfach mit alten Rezepten in den Griff bekommen werden.
Die alternative Internetökonomie hat einen ordentlichen Schub bekommen, kann aber noch keinen Paradigmenwechsel ermöglichen. Interessant ist, dass vielen Beobachtern nun auffällt, dass die Menschen immer mehr Onlinegeschäfte machen, online kommunizieren und weniger verreisen – durch den Virus ist das alles nicht ausgelöst, sondern nur verstärkt worden. Logischerweise verschwinden ganze Branchen und Unternehmen. Dass die großen FAANG-Spieler (von Facebook über Amazon und Apple bis zu Netflix und Google) ihre Unternehmenswerte exorbitant steigern konnte (auch mit den entsprechenden Verteilungswirkungen) sollte nicht verwundern. Es wird zwangsläufig eine weitere Konzentration der Vermögen geben -wie hieß es 2000 so schön vorausschauend: „The winner takes it al“.
Verantwortliche Wirtschaftspolitk müsste heute klare Schnitte wagen: keine Kohlesubventionen mehr, konsequente Forschungsförderung, ein wirkliches Grundeinkommen und die Förderung aller dezentraler Wirtschafts- und Finanzierungsformen und natürlich – eine andere Verteilungspolitik. Eine disruptive Wirtschaftsentwicklung kann nicht mit alt hergebrachter Wirtschaftspolitik beantwortet werden.

Wirecard…..ein Versagen auf vielen Ebenen: die Blockchain sollte übernehmen!

Mittlerweile ist Wirecard pleite – die Ereignisse überschlugen sich in dieser Woche. Die Aktie ist ein Pennystock; den Ausgang nahm diese Entwicklung, weil der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young letzte Woche das Testat verweigerte, im wesentlichen, weil über Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von insgesamt 1,9 Milliarden Euro „keine ausreichenden Prüfungsnachweise“ erlangt werden konnte. Schon im letzten Jahr hatte die Financial Times über Unregelmäßigkeiten berichtet, das führte aber nur dazu, dass die Firma in den Abwehrmodus schaltete und die Bafin Leerverkäufe verbot – was angesichts eines drohenden Dilemmas ohnehin schon bemerkenswert ist (Finden Sie hier sehr gut zusammengestellt: eine Zustandsbeschreibung von Finanz-Szene.de Genannte Finanz-Szene hat denn auch letzte Woche Freitag (19-06-20) eine Analyse veröffentlicht, die sehr lesenswert ist (siehe hier)

Daher möchte ich mich nur auf das Fragen beschränken: wie ist es möglich, dass bei einem sehr großen Zahlungsdienstleister (laut Statista mit einem Jahresumsatz von 2 Mrd.€ in 2018 – die Zahlen für 2019 sind ja nicht testiert) solche Beträge nicht nachgewiesen werden können, wieso haben wir überhaupt eine Aufsicht, die bereits in der Finanzkrise sich nicht mit Ruhm bekleckert hatte, und was macht das Ganze mit dem Zahlungsverkehr im Internet – immerhin boomt ja das Geschäft seit Corona und viele Menschen nutzen verstärkt den Onlinehandel? Wir haben keine Antworten auf diese Fragen, aber es ist hervorzuheben, dass die reflexartigen Antworten auf die Veröffentlichungen der Financial Times im letzten Jahr irgendetwas mit der Einschätzung zu tun haben müssen, dass ein großes deutsches Finanzunternehmen (zudem noch eine Art FinTech) doch nicht so einen Schlamassel verursachen kann. Die Aktie kam in den DAX und große Fonds haben umfangreich in die Aktie investiert und damit auch Kleinanleger mit ins Boot geholt.

Wirecard ist ein Beispiel für Unfähigkeiten von Wirtschaftsprüfern, Managern und Aufsicht. Ein vorsichtiger Anleger hätte aber schon im letzten Herbst darauf kommen können, die Finger von der Aktie zu lassen. Gut ist, dass das Desaster Raum schafft für alternative Zahlungsdienstleister oder …die Blockchain.
Wirecard und die Reaktionen auf den Betrug bei Politikern und Medien zeigen auch Züge gewisser Ahnungslosigkeit…die Internetökonomie braucht Zahlungsdienstleister wahrscheinlich gar nicht mehr….die Blockchain kann übernehmen! Siehe den Beitrag von BTC-Echo von heute 26-06-20!

Corona-Paradox: Aktienrallye und wirtschaftlicher Niedergang

Oft fragen mich Studenten, wieso die Aktienmärkte in Zeiten, in denen wirtschaftliche Rezession oder fast schon Depression herrscht, ein so starkes Wachstum hinlegen: der S&P 500 stieg seit dem tiefsten Stand im März um fast 40 %, der DAX sogar um über 45 %. Und nicht nur Studenten fragen dies, sondern es herrscht allgemein eine Irritation über so eine starke Abkoppelung der Aktienmärkte von der Realwirtschaft. Sicher, an den Märkten wird mit der Zukunft gehandelt, aber dies reicht hier für eine Erklärung wohl nicht aus. Die realen Wachstumserwartungen lt. IMF für den Euro-Raum im Jahr 2020 liegen bei – 7,5 % (2021 bei 4,7 %), für die USA bei -5,9 % (2021 bei 4,7 %) und China bei nur 1,2 % (2021 bei immerhin 9,2 %). Dies sind keine guten Zahlen und können den Zustand der Aktienmärkte nur mäßig erklären.
Andererseits gibt es auch Gewinner in diesem Feld: nämlich einige Unternehmen der Internetökonomie wie Apple, Amazon, Alphabet, Facebook, Microsoft. Die Aktien dieser „Big Five“ haben in der Zeit von März bis Anfang Juni 2020 im Schnitt um 12 % dazugewonnen (Amazon allein 25 %): offenbar macht sich dies im Index bemerkbar, wenn diese „Big Five“ ca. 20 % der Marktkapitalisierung des S&P 500 ausmachen.
In Europa gibt es keine solche digitalen Schwergewichte, hier kommt eher ein anderer Faktor ins Spiel, nämlich die massiven Stützungskäufe und Hilfspakete der Notenbank und der Regierungen. Allerdings sollte hier die Frage untersucht werden, wer am meisten von diesen Paketen profitiert. Kauft die Notenbank Unternehmensanleihen auf, hilft das eher großen Kapitalmarkt-orientierten Unternehmen. Große Konzerne wie TUI und Lufthansa erhalten zudem erhebliche staatliche Hilfen (TUI erhält einen staatlichen Kfw- Kredit in Höhe von 1,8 Mrd. € und Lufthansa realisiert ein Hilfspaket in Höhe von 9 Mrd. €).
KMU erwirtschaften rund 44 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und stellen fast die Hälfte aller Arbeitsplätze. Sie haben häufig keinen Zugang zum Kapitalmarkt und sind mit zu wenig Liquiditätsreserven ausgestattet. Wenn also eine Gruppe die Realwirtschaft repräsentiert, dann sind es diese Unternehmen. Sobald die Banken hier ihre Ampeln auf Rot stellen, weil die Bonität dieser Unternehmen einbricht, dann hat dies erhebliche Auswirkungen. Es wäre berechtigt, die Ausrichtungen der ganzen Hilfspakete zu hinterfragen: wäre es nicht besser gewesen, mit Garantien für mittelständische Unternehmen großzügiger umzugehen und die Kapitalbasis dieser Unternehmen auch mit innovativen Finanzprodukten zu stärken, wenn man wirklich der Realwirtschaft helfen wollte?
Insgesamt gesehen deuten sich sektorspezifische Verwerfungen an: digitale Unternehmen und Dienstleister profitieren, die Gesundheitsbranche ebenfalls, aber mittelständische Dienstleister im Gastronomie- und Tourismusbereich erleben die schlechtesten Umsatzzahlen seit langem. Die in Deutschland so wichtige Automobilindustrie kämpft mit einem hohen Absatzrückgang und wird wohl auch bald Entlassungen ankündigen müssen, das Tal der Tränen wird zudem von strukturellen Problemen vertieft. Alle die zuletzt genannten Faktoren haben erheblichen Einfluss auf die Realwirtschaft, aber es ist nicht verwunderlich, wenn die Instrumente der „Old Economy“ hier nicht weiterhelfen.
Diese Krise ist so außergewöhnlich und die Lernkurve kann gar nicht so steil werden, so dass die alten Instrumente auf keine offensichtlichen Alternativen stoßen.

Ökonomie im Stress: Beschleunigt sich die Digitalisierung?

Viele Kommentatoren sagen seit einigen Wochen, so eine Krise hatten wir seit dem letzten Weltkrieg nicht mehr erlebt: die Wirtschaft wurde heruntergefahren und ein Drittel der Weltproduktion steht still. In der Tat hat es ein einzelner Virus geschafft, die Welt zum großen Teil zum Stillstand zu bringen – alles, was mit physischer Nähe zu tun hat, ist verpönt. Es ist nicht nur Ignoranz, die die Welt dahingetrieben hat, sondern auch Ausdruck von fehlender Demut, dass die Menschen so in den Tag gewirtschaftet haben und sich gedacht haben, warum Vorsorge im Gesundheitssystem treffen, Mundschutzmasken auf Vorrat halten oder überhaupt an die Zukunft denken.
Es ist offenkundig, dass diese Form der Ökonomie nicht nachhaltig ist. Die Strategie, nur die Kosten im Auge zu haben und vieles in den Lieferketten auf „Kante zu nähen“, musste bei einer solch intensiven Störung im Zuge einer Pandemie zum Scheitern verurteilt sein. Schon nach der letzten großen Sars-Pandemie 2003 hätte ein Impfstoff entwickelt werden sollen, aber weder die Staaten noch Unternehmen haben angesichts des leichten Verlaufs dieser Epidemie dieses Projekt auf die Agenda gesetzt.
Die Schäden nun sind so immens, dass ganze Volkswirtschaften auf längere Zeit massiv geschwächt werden: höhere Staatsverschuldung, höhere Arbeitslosigkeit, mehr Armut. Heute wird vieles in der Finanzpolitik möglich gemacht: Helikoptergeld in den USA oder auch das massive Steigern der Staatsschulden in vielen Ländern All das wird so verkündet, als gäbe es keine Budgetgrenzen mehr. Nur: es wird auch hierfür der Tag der Abrechnung kommen, soviel steht fest. Viele Ökonomen sind im Panik- und Stressmodus und tun alles, was sie dachten, immer tun zu müssen in ihrer Mainstreamwelt der Ökonomie.
Auf der anderen Seite sehen wir die Bedeutung der digitalen Ökonomie (der Internetökonomie). Die Menschen kaufen in großem Stil online ein, sie tauschen sich intensiver in Netzwerken aus, sie arbeiten im Home-Office – natürlich häufig gezwungenermaßen. Die Menschen merken, dass sie ihr Leben auf einmal ohne Netzwerke, ohne Datenaustausch überhaupt nicht mehr meistern können – das Internet und die daran anknüpfbare Technologie ist nicht mehr wegzudenken. Warum nicht annehmen, dass sich dies so schnell nicht mehr ändert? Die Logistik könnte stärker auf dieses Onlinegeschäft ausgerichtet werden, andererseits könnten die Lieferketten und Vorleistungsbeziehungen im europäischen Raum regionalisiert und mit dezentralen Datenbanken (Distributed Ledger) verknüpft werden, zumal künstliche Intelligenz diese Ausrichtung unterstützen könnte (Studien zeigen, dass sich dezentrale Produktionen und Wertschöpfungen über Maschinen in Zukunft stärker lohnen könnten).
Warum die Umstellung auf die „neue Ökonomie“ nicht zum Gegenstand von Staatssubventionen machen oder auch ökologische Projekte verfolgen, anstatt nur panisch die Gießkanne zu bedienen? Um es deutlich zu sagen: ohne die Internetökonomie wären wir heute in einer noch katastrophaleren Situation!
Das Netz hält aber noch so viel mehr Möglichkeiten bereit: „Decentral Finance“ über die Blockchain hat ein ausgeprägtes Potential, die Finanzwelt zu verändern und auch dezentrale Projekte in der Volkswirtschaft zu fördern. Dies alles ist nicht wirklich neu, erfährt aber heute vielleicht im Lichte von Corona einen kräftigen Schub.

Megacrash……………….

Heute, Donnerstag den 11. März 2020, wird es noch dunkeler im Anlageuniversum. Der DAX um 10 % runter (Richtung 9000), der Dow Jones auch über 8 % und es scheint kein Halten mehr zu geben. So sieht es also aus, wenn aus dem theoretischen Börsencrash ein wirklicher wird. Die Kryptowährungen sind auch auf Talfahrt – offenbar kann auch hier keine Rettung in Aussicht gestellt werden (Bitcoin gegen 5500 Euro, Ether gegen 126 Euro). Insgesamt sind die Märkte um über ein Viertel bis 30 % gegenüber den Höchstständen von Mitte Februar abgestürzt. Rette sich wer kann…….

Die Psychologie liefert uns die Gründe dafür: Herdenverhalten, Verlustaversion und ein gehöriges Maß an Selbstüberschätzung und Ambiguität (Wahrscheinlichkeitsverzerrung) – offenbar glaubt in diesen Zeiten keiner mehr an die Zukunft und diese kurzfristige Orientierung ist eigentlich die Mutter aller Probleme, die wir momentan so herumschleppen. Es hat nur ein Virus gefehlt, der die Blase unserer Ökonomie zum Platzen bringt (siehe unseren Artikel auf unserem Börsencrash-Blog zum „Schwarzen Schwan“).

Man ahnt vielleicht, dass nichts wieder so ein kann wie es einmal war. Auch wenn die Kryptomärkte crashen, brauchen wir die Vorstellungen von alternativen Ökonomien: „ökonomische Parallelwelten“ , die uns in die Lage versetzen, nicht nur kurzfristig auf Sicht zu fahren, sondern wertbeständig zu wirtschaften.

Crowdfunding und Narrative

Das Unternehmens-Crowdinvesting machte im Jahr 2018 mit 80 Mio. € nur ein Drittel des gesamten Crowdinvesting Marktes aus (die 2019-er Zahlen liegen noch nicht vor) und an der Dominanz des Immobilien-Crowdfundings hat sich nichts geändert. Da lässt die Nachricht aufhorchen, dass das Start Up Sono Motors aus München für die Weiterentwicklung ihres Solarautos über 50 Mio. € eingesammelt hat. Wobei eingesammelt nicht ganz richtig ist, denn die Geldgeber haben erst einmal einen Zahlungslink erhalten und müssen noch die Liquidität liefern – damit sind die 50Mio. € eher ein Zahlungsversprechen. Das Modell von Sono Motors heißt Sion und soll Solarzellen auf dem Dach und an der Seite haben und damit bis zu 35 km in der Stadt fahren können (hierzu das Youtube-Video).
75 Prozent der so eingeworbenen Mittel stammen von Kunden, die das Auto reserviert haben und wohl noch einige Zeit warten müssen, 19 Prozent kamen von Investoren und 6 Prozent über Darlehen und Spenden, teilt das Unternehmen mit. Es handelt sich insofern nicht um ein klassisches Crowdinvesting und dennoch, die Zahlen lassen einen nicht unbeeindruckt zurück. Ein Teil der Summe wurde über eine Plattform eingesammelt, ansonsten hat das Unternehmen die eigenen Social-Media-Kanäle für das Funding genutzt. Hier der gesamte Beitrag:Crowdfunding und Narrativ_02-20