Coinbase – Hype oder Entwicklung?

Coinbase – Hype oder Entwicklung?

Coinbase ist auch vielen Nicht-Krypto-Fans bekannt, erst recht nach dem Börsengang am 14. April 2021 in New York. Mit einem Schlusskurs von 328,28 US-Dollar hatte die Coinbase-Aktie ihren Einstand an der US-Börse NASDAQ. Das ergibt grob einen Marktwert von 86 Mrd. US-Dollar und damit wäre die Company mehr wert als die beiden großen New Yorker-Börsen zusammen. Dieser Wert ist deshalb so bemerkenswert, weil das Unternehmen im Rahmen der letzten Finanzierungsrunde vor dem Börsengang durch private Geldgeber noch mit 8 Milliarden US-Dollar bewertet wurde. Der Börsengang fand mittels eines Direct Public Offerings statt, also es wurden keine neuen Aktien emittiert und es wurde kein Underwriter (keine Investmentbank) eingeschaltet.
Coinbase war in den ersten drei Quartalen 2021 angesichts des Krypto Booms sehr erfolgreich und verzeichnete Gewinne in Höhe von ca. 800 Mio. US-Dollar, während der Gewinn des gesamten letzten Jahres weit darunter lag. Coinbase ist folglich profitabel, das unterscheidet das Unternehmen von zahlreichen anderen Börsenneulingen, die zwar über eine nachvollziehbare Wachstumsstory verfügen, aber noch keine oder kaum Gewinne erzielen (so Airbnb oder auch der Cloud-Datenspeicher-Anbieter Snowflake in den USA).
Das Ausmaß der o.a. Bewertung ist kritisch zu betrachten, weil die Risiken nicht unerheblich sind. Bei diesem Boom werden sicherlich potentielle Konkurrenten auf den Plan gerufen, in dieses margenstarke Geschäft einzusteigen (und damit den Handel mit den Kryptowährungen für die Anleger günstiger zu machen). So sind die Zahlungsdienstleister PayPal und Square in den USA in dem Handels- und Aufbewahrungsgeschäft für Kryptowährungen schon tätig und Konkurrenten wir Binance und Kraken stehen schon lange in den Startlöchern.
Zum Vergleich mit den großen US-Börsen: Coinbase-Nutzer haben in den vergangenen 8 Jahren Kryptowährungen im Wert von rund 456 Milliarden US-Dollar gehandelt, das ist weniger als an einem durchschnittlichen Tag an den US-Börsen gehandelt wird (nach Matt Levine in seinem aktuellen Newsletter vom 14.4.21).
Offenbar sind die Analysten und Investoren der Meinung, dass Coinbase noch lange eine dominante Rolle in dem Krypto-Markt spielen wird und sich mit zusätzlichen Bankdienstleistungen und weiteren Services von der Konkurrenz abheben wird. Es ist allerdings davon auszugehen, dass sich der Markt sehr dynamisch entwickeln wird; zudem bedeutet die ausschließliche Ausrichtung auf Krypto ein Konzentrationsrisiko.
Aus verhaltenstheoretischer Sicht ist dieser Hype um Coinbase ebenfalls bemerkenswert. Die Story scheint sehr gut zu passen und wir wissen mittlerweile, dass Stories die Anleger und Analysten bewegen, vor allem in einem so unsicheren Markt. Anleger unterliegen demgemäß einem Verzerrungspotential, das folgenschwer sein kann, Insofern sollten nur sehr risikofreudige Anleger auf den Coinbase-Zug aufspringen.
Die Form des Börsengangs (wie oben erwähnt das Direct Public Offering) zeigt auf, dass die bisherigen Coinbase-Investoren (neben den Gründern Brian Armstrong und dem ehemaligen Goldman-Sachs-Trader Fred Ehrsam noch die zwei großen Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz und Union Square Ventures) davon profitieren (es fließt kein neues Geld in die Company). Daran ist grundsätzlich nichts Verwerfliches, aber ein großer Wachstumsimpuls geht davon nicht aus. Die Krypto-Szene steht diesem Vorgang wohl zwiespältig gegenüber: zum einen erreicht Krypto den Mainstream und damit mehr Aufmerksamkeit, zum anderen findet der Prozess außerhalb des Krypto-Universums statt und damit nach den Regeln der „old Economy“ und eben nicht dezentral.

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