Es gibt Vorschläge, bei denen der Einwand schon vor dem ersten Satz feststeht: zu einfach, zu naiv, politisch ohnehin nicht durchsetzbar. Große Vermögen besteuern und mit den Einnahmen Millionen Menschen den Aufbau eigenen Vermögens ermöglichen – das gehört sicher dazu. Unternehmensbewertungen, Steuervermeidung, Kapitalverlagerungen, Bund und Länder: Die Schwierigkeiten sind erheblich. Aber die Größe einer Aufgabe ist kein Argument gegen ihre Bedeutung.

Die Grundidee lautet: Eine Vermögensteuer auf sehr große Vermögen finanziert gezielt den Vermögensaufbau der Mittelschicht und vermögensarmer Haushalte. Aus konzentriertem Reichtum entsteht eine breitere Grundlage wirtschaftlicher Selbstständigkeit.

Das wäre ein neuer Gesellschaftsvertrag über Eigentum und wirtschaftliche Teilhabe.

Denn wer über Vermögen verfügt, hat mehr als einen Kontostand. Er hat Rückhalt und Wahlmöglichkeiten. Er kann eine Weiterbildung finanzieren, eine berufliche Veränderung wagen, ein Unternehmen gründen oder eine schwierige Lebensphase überbrücken. Eigentum kann Abhängigkeiten verringern und ermöglicht es, langfristiger zu entscheiden.
Wirtschaftliche Teilhabe ist deshalb auch eine Wachstumsfrage. Eine Gesellschaft lässt Potenziale ungenutzt, wenn Menschen Fähigkeiten und Ideen besitzen, ihnen aber jede finanzielle Grundlage fehlt. Breiter Vermögensaufbau kann Initiative ermöglichen und die Bereitschaft stärken, wirtschaftliche Risiken einzugehen. Menschen könnten zugleich an den Kapitalerträgen jener Wirtschaft teilhaben, deren Entwicklung sie durch ihre Arbeit mittragen.

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