Noch nie war Wissen so zugänglich und doch bleiben viele ökonomische Entscheidungen unsicher. Diese Beobachtung wirkt zunächst widersprüchlich, verweist aber auf eine grundlegende Verschiebung: Der Engpass moderner Ökonomien liegt nicht mehr primär im Zugang zu Information, sondern in deren strukturierter Nutzung für Entscheidungen.
Digitale Technologien und Künstliche Intelligenz haben den Zugang zu Daten, Analysewerkzeugen und Finanzdienstleistungen erheblich ausgeweitet. So zeigt die World Bank, dass im Jahr 2021 rund 76 % der Erwachsenen weltweit über ein Konto verfügten – ein deutlicher Anstieg gegenüber früheren Jahren. Diese Entwicklung verweist auf eine zunehmende finanzielle Inklusion. Gleichzeitig bleibt jedoch die Qualität wirtschaftlicher Entscheidungen sehr heterogen.
Hier zeigt sich ein zentrales Spannungsfeld: Zugang ist nicht gleich Nutzung.
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Mehr Information, begrenzte Entscheidungsfähigkeit
Die Annahme, dass mehr Information automatisch zu besseren Entscheidungen führt, ist theoretisch wie empirisch fragwürdig. In der ökonomischen Theorie lässt sich dies gut einordnen:
• George Akerlof zeigt, dass Informationsprobleme Märkte systematisch verzerren können.
• Herbert A. Simon beschreibt die begrenzte Fähigkeit von Individuen, komplexe Informationen zu verarbeiten.
• Daniel Kahneman weist nach, dass selbst bei vorhandenen Informationen systematische Entscheidungsfehler auftreten.
Diese Ansätze bilden einen theoretischen Rahmen für diese Zusammenhänge. Sie legen nahe, dass steigende Informationsmengen allein keine Garantie für bessere Entscheidungen darstellen.
Mit der Verbreitung von KI verschärft sich diese Spannung: Systeme können Inhalte analysieren und zusammenfassen, sie ersetzen jedoch keine klar definierte Entscheidungslogik. Unter Entscheidungslogik ist hier zu verstehen: eine nachvollziehbare Abfolge von Schritten – von der Datenauswahl über die Kennzahlenbildung bis zur Bewertung unter Unsicherheit.

Hier der gesamte Beitrag mit Quellen: Die Illusion vom automatischen Wohlstand