Wenn ein Hedgefondsmanager Geschichte erklärt
Wenn Hedgefondsmanager über Geschichte sprechen, lohnt es sich genauer hinzuhören – nicht, weil sie Historiker wären, sondern weil sie gezwungen sind, Theorien unter realen Marktbedingungen zu testen. Kaum jemand verkörpert diesen Anspruch so konsequent wie Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates, dem größten Hedgefonds der Welt.
Dalio hat nicht nur Milliarden verwaltet, sondern über Jahrzehnte ein analytisches Modell entwickelt, das den Aufstieg und Fall großer Reiche erklären soll – die sogenannte „Big Cycle Theory“. Spätestens seit der Finanzkrise 2008 wird diese Theorie ernst genommen, weil sie nicht im Elfenbeinturm entstand, sondern sich praktisch bewährt hat.
________________________________________
Märkte als Frühwarnsystem
Der aktuelle Anlass für die Debatte ist brisant: Politische Eingriffe in die Unabhängigkeit der US-Notenbank, massive Haushaltsdefizite und ein Goldpreis auf historischem Rekordniveau. Gold über 4.600 Dollar je Feinunze ist mehr als ein Rohstoffsignal – es ist eine Wette gegen den US-Dollar.
Märkte, so Dalios implizite Annahme, sind oft schneller als politische Analysen. Wenn Kapital langfristig Sicherheit sucht, zeigt es damit an, dass das Vertrauen in bestehende Ordnungen bröckelt. Genau hier setzt die Big Cycle Theory an.
________________________________________
Die Grundidee der Big Cycle Theory
Dalio hat die vergangenen rund 500 Jahre Wirtschaftsgeschichte untersucht – mit Fokus auf jene Mächte, die eine globale Reservewährung hervorgebracht haben:
• das niederländische Handelsimperium des 17. Jahrhunderts
• das britische Empire des 19. Jahrhunderts
• die USA im 20. und frühen 21. Jahrhundert
Er identifiziert wiederkehrende Zyklen von etwa 150 bis 200 Jahren, in denen Reiche entstehen, dominieren und schließlich scheitern. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Faktor, sondern das Zusammenspiel mehrerer struktureller Variablen.
Zu Dalios wichtigsten Indikatoren zählen unter anderem:
• Investitionen in Bildung und Produktivität
• technologische Führungsfähigkeit
• Staatsverschuldung
• Vermögens- und Einkommensungleichheit
• politische Polarisierung
• militärische Überdehnung
• Rolle der Zentralbank
Die Geschichte, so Dalios Befund, verläuft nicht linear, sondern zyklisch – mit erstaunlich ähnlichen Mustern.
Den ganzen Beitrag: Dalio und Zyklen