Die Diskussion über künstliche Intelligenz leidet zunehmend unter zwei Extremen. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die in KI beinahe zwangsläufig den nächsten großen Wohlstandsschub sehen. Auf der anderen Seite wird vor Arbeitsplatzverlust, Manipulation und Kontrollverlust gewarnt. Wahrscheinlich liegt die vernünftigere Position dazwischen: KI bietet enorme Chancen – aber nur, wenn wir verantwortungsvoll mit ihr umgehen.
Das ist auch die bemerkenswerte Botschaft eines aktuellen Beitrags von Bill Gates. Interessant ist seine Warnung gerade deshalb, weil sie nicht von einem Technikgegner kommt. Gates hat einen erheblichen Teil seines Lebens damit verbracht, Digitalisierung voranzutreiben. Trotzdem schreibt er heute, dass Gesellschaft, Wirtschaft und Politik auf die Geschwindigkeit der KI-Entwicklung nicht ausreichend vorbereitet seien. Es gebe bislang keinen überzeugenden Plan für den Übergang in dieses neue Zeitalter. (Gates Notes)

Damit berührt Gates eine Frage, die weit über die aktuelle KI-Euphorie hinausgeht: Nur weil etwas technisch möglich ist, muss es noch lange nicht sinnvoll sein.
Assistieren ist nicht dasselbe wie ersetzen

Diese Unterscheidung wird besonders wichtig, wenn KI zunehmend menschliche kognitive Arbeit übernehmen kann. Sie analysiert Dokumente, programmiert, erstellt Diagnosen, wertet Unternehmensdaten aus oder schlägt Entscheidungen vor. In Verbindung mit Robotik wird sich dieser Prozess auch auf körperliche Tätigkeiten ausweiten.
Gates warnt deshalb davor, die gegenwärtige Entwicklung einfach mit früheren technologischen Revolutionen gleichzusetzen. KI könne menschliche Kognition selbst substituieren und sich erheblich schneller verbreiten als frühere Technologien. Besonders Einstiegs- und mittlere Tätigkeiten sind betroffen. (Gates Notes)
Gerade deshalb halte ich eine Unterscheidung für wichtig, die in der gegenwärtigen Diskussion manchmal verloren geht: Assistenz ist nicht dasselbe wie Autonomie.
Ein KI-System kann Daten durchsuchen, Auffälligkeiten erkennen, Risiken markieren, Szenarien berechnen und Entscheidungsmöglichkeiten erläutern. Damit kann es Menschen erheblich leistungsfähiger machen. Daraus folgt aber nicht, dass die Maschine auch selbstständig entscheiden muss.
Das gilt besonders dort, wo Verantwortung, Vertrauen oder erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen im Spiel sind: bei Finanzentscheidungen, Medizin, Personalfragen, Verwaltung, Bildung oder Pflege.

Der ganze Beitrag: KI und Folgen