Wenn KI die Trägheit der Kunden beseitigt
Viele Geschäftsmodelle in der Finanzwirtschaft beruhen auf einer Annahme, über die nur selten gesprochen wird: Menschen verhalten sich nicht permanent rational. Sie vergleichen nicht jeden Tag Zinsen, optimieren nicht jede Kreditkarte, wechseln nicht ständig Versicherungen und refinanzieren ihren Immobilienkredit nicht exakt in dem Moment, in dem es mathematisch sinnvoll wäre.
Diese Trägheit ist kein Randphänomen. Sie ist teilweise Bestandteil der Kalkulation von Finanzprodukten.
Matt Levine beschreibt dieses Prinzip in seinem Bloomberg-Newsletter Money Stuff anhand verschiedener Beispiele. Kreditkartenanbieter können beispielsweise attraktive Bonusprogramme anbieten, weil nur ein kleiner Teil der Kunden diese konsequent optimiert. Banken können zunächst hohe Sparzinsen zahlen und später die Verzinsung reduzieren, weil viele Kunden ihr Geld trotzdem nicht abziehen. Versicherungsverträge können günstig erscheinen, weil nicht jeder Kunde den Vertrag bis zum wirtschaftlich optimalen Zeitpunkt durchhält.
Ökonomisch betrachtet handelt es sich häufig um Optionen, die Kunden besitzen, aber nicht vollständig ausüben.
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