Die Geschwindigkeit, mit der sich KI-Werkzeuge derzeit entwickeln, ist kaum noch zu überblicken. Noch vor wenigen Wochen war Claude Code ausschließlich Entwicklern vorbehalten – ein leistungsstarkes, aber termininalbasiertes Werkzeug für technisch versierte Anwender. Seit dem 12. Januar 2026 hat Anthropic mit Claude Cowork eine neue Kategorie von KI-Assistenz eingeführt: den autonomen Desktop-Agenten für jedermann. Hier also eine Skizze für den Einsatz in meinem V1-Projekt. Dies ist nur ein technischer Hinweis für die V1-Bearbeitung. Das entsprechende Workingpaper wird nach Überarbeitung im April oder Mai auf SSRN und in Kurzfassung auf diesem Blog veröffentlicht.

Was ist Claude Cowork?
Cowork ist kein Chatbot im klassischen Sinne. Während herkömmliche KI-Interfaces auf Frage-Antwort-Interaktionen beschränkt sind, agiert Cowork als eigenständiger Arbeitsagent auf dem lokalen Rechner. Der Nutzer beschreibt ein gewünschtes Ergebnis – Cowork erstellt einen Arbeitsplan, führt ihn autonom aus und liefert fertige Outputs direkt ins Dateisystem. Dokumente, Excel-Tabellen, Word-Reports, strukturierte Datenanalysen – alles ohne manuelles Eingreifen.
Technisch basiert Cowork auf derselben agentischen Architektur wie Claude Code, läuft jedoch in einer isolierten virtuellen Maschine und ist vollständig ohne Programmierkenntnisse nutzbar. Der Zugriff erfolgt über einen eigenen Tab in der Claude Desktop App (macOS und Windows).

Relevanz für MeisCon V1
Im Rahmen der Entwicklung von MeisCon V1 – unserem automatisierten Due-Diligence-System – war die Standardisierung von Eingabedaten stets eine zentrale Herausforderung. Startup-Finanzplanungen kommen in wildesten Excel-Strukturen: unterschiedliche Spaltenbezeichnungen, variable Zeilenpositionen, inkonsistente Formatierungen. Die Lösung war die Einführung des Fritz-Formats – eines streng definierten Excel-Templates als Pflichtvoraussetzung vor jeder KI-Analyse.
Genau hier eröffnet Cowork eine vielversprechende Ergänzung: Anstatt die Konvertierung manuell oder über separate Skripte durchzuführen, könnte Cowork künftig als vorgelagerter Standardisierungsschritt fungieren. Der Workflow wäre denkbar einfach:
1. Fritz-Format Template + rohe Startup-Excel in einen Ordner legen
2. Cowork anweisen: „Konvertiere diese Excel ins Fritz-Format“
3. Das MeisCon-Notebook übernimmt die standardisierte Datei zur Analyse
Das Jupyter Notebook bleibt dabei das analytische Herzstück – mit KPI-Berechnungen, Scoring, LLM-Integration (Ollama/Mistral) und Report-Generierung. Cowork übernimmt den vorgelagerten, bisher mühsamsten Schritt: die Datenstandardisierung.

Ein Werkzeug, das gerade erst beginnt
Cowork befindet sich aktuell in der Research Preview und ist für alle bezahlten Claude-Pläne verfügbar. Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist bemerkenswert: Innerhalb von vier Wochen nach Launch wurden Plugin-Unterstützung (u.a. Finance, Legal, Sales), Windows-Kompatibilität und Team-/Enterprise-Funktionen ausgerollt.
Für Forscher und Praktiker im Bereich KI-gestützter Finanzanalyse lohnt es sich, diese Entwicklung genau zu beobachten. Die Grenze zwischen „KI als Berater“ und „KI als Ausführender“ verschiebt sich gerade fundamental – und Cowork ist ein früher, aber bereits konkret nutzbarer Beleg dafür.
Weitere Updates zur MeisCon-Entwicklung und praxisnahe Erfahrungsberichte mit Cowork folgen auf diesem Blog.
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Prof. Meisner | MeisCon Digitale Inhalte | blog.meisnerconsult.de

Erstellt mit Hilfe von Claude