Es gehört inzwischen zu den meistzitierten Geschichten der politischen Ökonomie: Die Reichen werden reicher. Hinter dieser Feststellung steht keine bloße moralische Empörung, sondern eine strukturelle Beobachtung moderner Gesellschaften.

Vermögen akkumuliert sich – und es akkumuliert sich schneller als Einkommen. Der französische Ökonom Thomas Piketty hat diese Dynamik mit seiner berühmten Formel r > g zugespitzt: Wenn die durchschnittliche Rendite auf Kapital (r) dauerhaft höher ist als das Wirtschaftswachstum (g), wächst Vermögen schneller als die Gesamtwirtschaft. Wer Kapital besitzt, entfernt sich relativ von jenen, die nur über Arbeitseinkommen verfügen. In Zeiten KI und Roboterisierung etc. wird dieser Aspekt noch eine viel größere Rolle spielen. Es ist schon bemerkenswert, wie zurückhaltend diese Entwicklung in der öffentlichen Diskussion adressiert wird.

Die Renditelogik ist nüchtern und für viele sogar unannehmbar. Kapital generiert Rendite; Rendite wird reinvestiert; der Zinseszinseffekt entfaltet seine stille, aber mächtige Wirkung. Solange r > g gilt, verstärkt sich die Vermögenskonzentration beinahe automatisch. Die Ungleichheit ist dann kein politischer Diskussionspunkt, sondern ein systemischer Trend. Man kann natürlich einwenden, dass diese Formel eine starke Vereinfachung darstellt – dies ist richtig, ändert aber nichts an der Diagnose.

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