Adverse Selection im Zeitalter der KI-Bilder
Der ökonomische Begriff Adverse Selection beschreibt ein strukturelles Marktproblem: Wenn Qualität nicht mehr zuverlässig erkennbar ist, werden alle Angebote pauschal abgewertet. Am Ende verdrängen minderwertige Produkte die hochwertigen. Was ursprünglich als Theorie für Versicherungen oder Gebrauchtwagenmärkte entwickelt wurde, lässt sich heute erstaunlich präzise auf den Umgang mit KI-generierten Bildern übertragen.
Noch vor wenigen Jahren galt ein Foto als glaubwürdiger Hinweis auf Realität. Diese implizite Annahme bricht gerade weg. KI-Systeme erzeugen Bilder, die visuell kaum noch von echten Fotografien zu unterscheiden sind. Für Betrachter entsteht damit eine massive Informationsasymmetrie: Sie wissen nicht mehr, ob sie ein dokumentarisches Foto, ein bearbeitetes Bild oder eine vollständig synthetische Szene sehen.
Ökonomisch reagieren Menschen darauf rational. Wenn sich echte und künstliche Bilder nicht unterscheiden lassen, sinkt der durchschnittliche Vertrauenswert aller Bilder. Ein Pressefoto, ein Krisenbild aus einem Kriegsgebiet oder eine wissenschaftliche Aufnahme wird mental nicht mehr als Beleg, sondern nur noch als Illustration behandelt. Genau hier greift Adverse Selection.
Für Produzenten hochwertiger, realitätsbezogener Bilder ist das fatal. Journalistische Fotografie, Dokumentation oder wissenschaftliche Bildgebung sind aufwendig, teuer und an Standards gebunden. Wenn diese Qualität vom Publikum nicht mehr erkannt oder honoriert wird, verliert sie ihren ökonomischen Nutzen. Gleichzeitig haben KI-Bilder einen strukturellen Vorteil: Sie sind billig, schnell, skalierbar und emotional zuspitzbar. In einem Markt sinkenden Vertrauens setzen sie sich nicht wegen besserer Qualität durch, sondern wegen geringerer Kosten.
Der Ausweg aus Adverse Selection ist in der Ökonomie bekannt: glaubwürdige Signale, die Qualität sichtbar und überprüfbar machen. Auf Bilder übertragen heißt das: Authentizität darf nicht behauptet, sondern muss technisch nachweisbar sein.
Wasserzeichen: Markierung ohne Beweiskraft
Digitale Wasserzeichen – sichtbar oder unsichtbar – sind der erste Schritt. Sie können anzeigen, dass ein Bild KI-generiert ist oder aus einer bestimmten Quelle stammt. Als Warnhinweis sind sie sinnvoll, als Vertrauensanker jedoch begrenzt. Wasserzeichen lassen sich entfernen, kopieren oder fälschen. Vor allem liefern sie keinen belastbaren Nachweis über Entstehungszeit, Bearbeitungshistorie oder Urheberschaft.
Sie markieren – sie beweisen nicht.
Kryptografische Signaturen: Integrität statt Behauptung
Kryptografische Signaturen gehen einen entscheidenden Schritt weiter. Ein Bild wird beim Erstellen mit einem eindeutigen digitalen Schlüssel signiert. Jede spätere Veränderung verändert den kryptografischen Fingerabdruck. Damit lässt sich prüfen:
wer das Bild erstellt hat,
ob es verändert wurde,
ob es noch dem Original entspricht.
Ein solches Bild sendet ein hartes Qualitätssignal – nicht über Reputation oder Autorität, sondern über Mathematik. Wichtig ist dabei eine Präzisierung: Signaturen beweisen Herkunft und Unverändertheit, nicht automatisch die Wahrheit des dargestellten Inhalts. Ein authentisch signiertes Bild kann dennoch irreführend sein.
Blockchain: institutionalisierte Überprüfbarkeit
Damit Signaturen dauerhaft überprüfbar bleiben, braucht es eine neutrale Infrastruktur. Hier kommt die Blockchain ins Spiel – nicht als Speicher für Bilder, sondern als öffentliche Beweisschicht. Auf der Blockchain wird nicht das Bild selbst abgelegt, sondern dessen kryptografischer Hash, ergänzt um Signatur und Zeitstempel. Diese Informationen sind unveränderbar, dezentral abrufbar und langfristig überprüfbar.
Der entscheidende Effekt ist ökonomisch: Vertrauen wird aus dem sozialen Raum („Glaube ich dem Absender?“) in den technischen Raum verlagert („Kann ich es prüfen?“). Für den Bildermarkt bedeutet das die Entstehung eines funktionalen Zwei-Ebenen-Systems:
verifizierte, signierte Inhalte mit nachvollziehbarer Herkunft, unsignierte Inhalte ohne Anspruch auf Glaubwürdigkeit.
Das ist kein elitäres Modell, sondern die klassische Lösung gegen Adverse Selection. Qualität verschwindet nicht – Nicht-Qualität verliert ihren Vorteil.
Fazit
Das Problem KI-generierter Bilder ist kein ästhetisches und kein moralisches, sondern ein ökonomisches Vertrauensproblem. Ohne überprüfbare Signale kollabiert der Marktwert realer Bilder. Wasserzeichen helfen beim Kennzeichnen, Signaturen beim Belegen – und Blockchain sorgt dafür, dass diese Belege dauerhaft glaubwürdig bleiben.
Vertrauen lässt sich nicht appellativ herstellen.
Es muss technisch eingebaut werden – oder es geht verloren.
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Mit Hilfe von KI erstellt.