Ein paar Schlaglichter auf die aktuelle Diskussion um Bitcoin

Es ist zu erwarten, dass sich Banken sehr kritisch zu den Kryptowährungen äußern – so hat JP Morgan Chef Dimon Bitcoin mit Betrugsvorbehalten versehen (siehe hierzu die Antwort von John McAfee) und in der Presse ist nach dem Boom von Bitcoin die letzten Monate das Thema ständig auf dem Schirm, weil sich offensichtlich etwas Herausragendes hier tut. Immerhin haben die Kryptowährungen das Zeug, neue Finanzstrukturen zu ermöglichen!

Es passierte in diesem Sommer auch viel: die Währung Bitcoin hat sich am 1. August 2017 gespalten (siehe den Handelsblattblattartikel hier) und die chinesische Regierung will aktuell mit Stand Mitte September 2017 den Bitcoinhandel eindämmen.

Natürlich beunruhigt der Kursrutsch die Anleger und Investoren genauso wie der Boom sie die letzten Monate entzückt hatte. Das Thema ist also nichts für Investoren mit schwachen Nerven! Dennoch wird Bitcoin weiterhin eine Herausforderung sein.

Im übrigen gibt es ja auch noch die Konkurrenzwährung Ether, die viel Potential hat und nicht ganz so volatil ist.

Zudem arbeiten Entwickler schon an Derivaten für Bitcoin et.al., so dass wir hier wohl bald eine segensreiche Anwendung von Smart Contracts sehen können (zu den Details siehe die vielen Beiträge auf diesem Blog.)

Hier noch ein interessanter Artikel aus der Zeit. und hier ein Artikel zu einer möglichen weiteren Spaltung im Handelsblatt-Online vom 21.9-17.

Die Bundesbank hat sich auch in einem Beitrag im Monatsbericht vom 18.9.17 zu Blockchain geäußert.

Meine neue Auflage „Finanzwirtschaft in der Internetökonomie“……….

Liebe Freunde
Meine Neuauflage ist mittlerweile bei Springer erschienen!
Danke an Springer für den Support! Danke an meine Frau für die grafische Unterstützung!

Dieses Buch thematisiert den Zusammenhang zwischen den Inhalten von Finanzprodukten und den Transaktionsmöglichkeiten mit Hilfe von unterschiedlichen Portalen, auf denen Finanzprodukte dargestellt und gehandelt werden können. Je besser ein Nutzer ein Finanzprodukt versteht, umso souveräner wird er damit umgehen. Ein Nutzer kann dann leicht erkennen, ob sich ein Projekt oder Produkt für ihn lohnt oder nicht. Wenn ihm dann auch noch bewusst ist, dass er gefühlsmäßigen Verzerrungen unterliegt, fällt ihm eine realistische Einschätzung noch leichter.

Harald Meisner geht dabei sowohl auf die Transaktionsmöglichkeiten im B2C-, im B2B- als auch im C2C-Bereich ein. Die Themengebiete umfassen die gängigsten neuen Technologien im Finanzsektor wie die
Blockchain und die damit verbundenen Smart Contracts.

Der Inhalt

• Grundlagen der Internetökonomie
• Angebotsfaktoren in der Internetökonomie
• Elektronische Märkte und Finanzwirtschaft
• Investitionsentscheidungen in der Internetökonomie
• Finanzierungen in der Internetökonomie
• Neue Herausforderungen in der Finanzsphäre
• Wege zur neuen Finanzwirtschaft

Der Autor
Dr. Harald Meisner ist Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Finanzwirtschaft
an der Rheinischen Fachhochschule Köln und nebenberuflich im Beratungssegment
für kleinere und mittlere Unternehmen für Crowdfinancing tätig.

Konsequenzen der Internetökonomie

Die Beiträge auf diesem Blog sind überwiegend auf wirtschaftliche und technische Veränderungen im Rahmen der Internetökonomie bezogen. Dabei wird des öfteren darauf hingewiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Wohlfahrt, Technologie und Verteilung gibt. Die Prozesse der Veränderung dynamisieren sich ständig und sind getrieben von den technologischen Faktoren. Die Internetökonomie mit Big Data, Blockchain-Technologien und Algorithmenherrschaft ist eben nicht nur eine Technologie, sondern sie ist eigentlich die Grundlage einer neuen Art zu wirtschaften und zu denken!

Ein betriebswirtschaftliches Beispiel aus einer wichtigen Studie von BCG, die hier schon einmal auf diesem Blog erwähnt wurde, verdeutlicht rudimentär das Problem der Substitution von Arbeitskräften:
„A human welder (Schweißer) today earns around $25 per hour (including benefits), while the equivalent operating cost per hour for a robot is around $8 when installation, maintenance, and the operating costs of all hardware, software, and peripherals are amortized over a five-year depreciation period. In 15 years, that gap will widen even more dramatically. The operating cost per hour for a robot doing similar welding tasks could plunge to as little as $2 when improvements in its performance are factored in.“

Andererseits ist die Künstliche Intelligenz (KI) wegweisend. KI, wie das Computerprogramm Watson von IBM, das in Mili-Sekunden Datenbanken für medizinische und viele andere Zwecke durchforstet und letztendlich zu einem semantischen Suchprogramm führt, wird die Wirtschaftswelt nachhaltig beeinflussen. Watson kann „den Sinn einer in natürlicher Sprache gestellten Frage erfassen und in einer großen Datenbank, die ebenfalls Texte in natürlicher Sprache umfasst, innerhalb kurzer Zeit die relevanten Passagen und Fakten auffinden. Eine derartige Software könnte in vielen Bereichen, etwa der medizinischen Diagnostik, komplexe Entscheidungen unterstützen, insbesondere wenn diese unter Zeitdruck getroffen werden müssen“ (Zitat Wikipedia zu Watson)-

Folgendes Zitat wird dem Wirtschafts-Nobelpreisträger Leontief zugeschrieben:
„Die Geschichte des technologischen Fortschritts der letzten 200 Jahre ist im Grunde die Geschichte der menschlichen Rasse, wie sie langsam, aber sicher versucht, den Weg zum Paradies wieder zu finden. Was würde allerdings passieren, wenn ihr dies gelänge? Alle Güter und Dienstleistungen wären verfügbar, ohne dass dafür Arbeit notwendig wäre, und niemand würde einer Erwerbsarbeit nachgehen. Nun heißt arbeitslos sein auch, keinen Lohn zu empfangen; so würden die Menschen, wenn sie auf die neue technologische Situation nicht mit einer neuen Politik der Einkommensverteilung reagieren würden, im Paradies verhungern …“
– Wassily Leontief“ (aus Wikipedia zum Paradies-Paradoxon, die Quelle ist allerdings nicht direkt Leontief, insofern ist die Urheberschaft nicht eindeutig).

Wir wollen in diesem kurzen Beitrag die Technologiediskussion nicht vertiefen, doch fehlt in der ganzen Betrachtung zuweilen das „große Ganze“: vereinfachend ausgedrückt bewegen wir uns tatsächlich in diese Richtung der Roboterisierung und der Künstlichen Intelligenz (und damit des Wegfalls von Arbeit) und viele Politiker und Ökonomen haben keine Vorstellung davon, wie der Sozialstaat in Zukunft aussehen kann. Da die Menschen Probleme mit der richtigen Einschätzung von exponentiellen Wachstumsprozessen haben und sich ein Unbehagen bezüglich der dynamischen Zukunftsentwicklung einstellt, ist es nicht verwunderlich, wenn sich hier kein Vertreter der häufiger erwähnten „Elite“ aus der Deckung wagt. Bedauerlicherweise kann dies zu Verwerfungen bis hin zu extremen Krisen (auch gewaltsamen Krisen) führen, wie die momentan anhaltende Populismus- und Globalisierungsdiskussion zeigt. Das oben erwähnte Paradies-Paradoxon kann als Bild dazu verleiten, sich mit diesem Zusammenhang von „Paradies“ und Verelendung zu beschäftigen. Ehrlich gesagt: Im Paradies zu verhungern, ist keine Option!

Interessant ist auch folgender Debattenbeitrag zu diesem Komplex von der Website Algorithmwatch!

Alle wollen was gegen die Ungleichheit tun….IWF, OECD…vielleicht schon zu spät…

In folgendem Online-Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 10-4-17 wird die Dramatik der aktuellen wirtschaftspolitischen Situation deutlich, doch hören die Worte zu wenige: „Der technologische Fortschritt lasse die Preise von Investitionsgütern „steil fallen“..“ also die Preise von Robotern und Maschinen..

Wenn der IWF und andere internationale Organisationen vom neoklassischen Glauben abfallen und die Probleme der Internetökonomie auf den Punkt bringen, wird die Befürchtung befeuert, dass „die Hütte brennt“.
Der IWF fordert in dieser Studie Fortbildung und Umverteilung, dabei wurde über eine „Maschinensteuer“ schon Ende der 80-er Jahr gesprochen. Die Diskussion über ein Grundeinkommen bleibt theoretisch….

Es ist tragisch, dass die Menschen technische Entwicklungen, die exponentiell verlaufen, nicht so richtig einschätzen können – noch tragischer ist es, dass die sog. „Eliten“ da keinen Unterschied machen und diese Herausforderungen – auch für Ihre eigenen Interessen – zu spät erkennen.

Dazu passt ganz gut dieser Spiegel-Online-Kommentar vom 16.06.17, wo die Einseitigkeit der deutschen Wirtschaftswissenschaftler kritisiert wird.

Das Projekt Ethereum

Ethereum ist eine weiter gefasste Ausprägung der Blockchain-Technologie, die eine Plattform darstellt, auf der Programmmierer und Entwickler verschiedene Dienste und dezentrale Anwendungen in Form sog.“Smart Contracts“ kreieren. Ethereum ist auch mit einer Währung verknüpft (Ether), die ale Transaktionsvehikel, aber auch als Sicherungsinstrument genutzt werden kann. Im Gegensatz zu Bitcoins hat das Projekt Ethereum eine größere Dimension, denn Ethereum soll zukünftig eine Plattform für dezentrale Dienste und Organisationen darstellen. Zitat von BTC-Echo:

„Bei vielen Blockcahins wie Bitcoin oder Ethereum werden Server und Clouds durch tausende von so genannten “Nodes” ersetzt, die von Freiwilligen aufgesetzt werden. Klassisch, d.h. im Fall von Bitcoin, leisten diese eine wichtige Aufgabe bei der Aufrechterhaltung des Payment-Netzwerkes: sie überprüfen und speichern jeden Block in der Blockchain und überprüfen auch die einzelnen Transaktionen, die mittels der Ethereum eigenen digitalen Währung Ether abgewickelt werden. In der Welt von Ethereum redet man hier auch weniger von einer digitalen Währung, sondern vielmehr von “Gas” oder Treibstoff der für die Aufrechterhaltung des Netzwerks benötigt wird.

Im Fall von Ethereum sind es so genannte ”Smart Contracts”, die aus diesem Netzwerk einen dezentralen Computer machen. Smart Contracts sind, wie der Name suggeriert, intelligente Verträge, d.h. kleine Programme, welche auf dem Ethereum-Netzwerk laufen und beispielsweise Transaktionskonditionen von Ethereum regeln können. Die Nodes sind also neben den genannten Aufgaben bei Ethereum auch zur Prozessierung dieser Verträge verantwortlich.“ Golem bietet hier eine gute Einführung in die Ethereum-Thematik.

Eine interessante Karriere hat Joe Lubin, der Mitbegründer des Projektes Ethereum, hinter sich. Er war Banker bei Goldman Sachs und er war Musiker, bis er 2014 das Projekt Ethereum mit auf den Weg brachte. In dem hier beigefügten Link zu Consensys finden Sie u. ein Gespräch mit Joe Lubin, der das Projekt erklärt.

Cryptowährungen wie Bitcoin und Smart Contracts werden in Zukunft noch stärker Thema dieses Blogs sein, denn sie sind Ausdruck der Dominanz der Internetökonomie.
Hier nun der Link zu dem Blockchain-Video.

Zusätzlich verweise ich auf eine visuelle Erklärung der Blockchain in diesem Video!

Tag der Arbeit

In dem folgenden Beitrag in der Süddeutschen Zeitung vom 1.5.17 wird deutlich gemacht, dass unsere wirtschaftliche Zukunft und das Selbstverständnis der Menschen in der Zukunft weniger von der Arbeit abhängen wird. Wer sich fragt, wieso die Politiker die Menschen mit der Mär einer weiteren Industrialisierung einzufangen versuchen, sollte nicht allzu überheblich sein: es mangelt an alternativen Stories! Dieser Mangel wird auch angesichts der theoretischen Aspekte der Wirtschaftswissenschaften deutlich – nicht umsonst wird ständig auf einen Klassiker verwiesen, der vor fast 200 Jahren geboren wurde (Karl Marx). Leider ist die Zerfaserung der Wirtschaftswissenschaften, die einhergeht mit einer verstörenden Ideologisierung, nicht geeignet, hilfreiche Zukunftskonzepte zu entwickeln. Dabei können die Ansätze einer Maschinensteuer, ein mögliches Grundeinkommen oder breit aufgestellte Vermögensabgaben in einer Gesamtschau auf etwas hinaus laufen, was den Herausforderungen der Internetökonomie gerecht wird.

„Das Sein bestimmt das Bewußtsein“

Es kommt immer wieder zu interessanten Kommentaren in den Medien – so auch der Artikel von Prof. Sinn zu Marx
Interessant insofern, dass Prof. Sinn in dieser kurzen Abhandlung die Bedeutung des Karl Marx für die Makroökonomie hervorhebt. Dabei wird die ideengeschichtliche Dimension deutlich…mehr aber auch nicht. Keiner der Ökonomen..seien es die Klassiker oder oder die Neoklassiker …. können die wirtschaftliche Zukunft wirklich richtig einschätzen. Der Punkt ist der: das Sein bestimmt zwar das Bewusstsein, aber die Technologie bestimmt das Sein. Es geht nicht anders: wir sind an einem Punkt angekommen, wo die Mikroökonomie die Makroökonomie endgültig dominiert. Wenn wir in Zukunft Geld errechnen können (Bitcoin) oder die Technologie uns in die Lage versetzt, die Produktion von Gütern von der menschlichen Arbeitskraft endgültig abzukoppeln, was bringt uns da die „klassische oder auch neoklassische“ Ökonomie?

Crowdfunding und Blockchain-Technologie

Die Verknüpfung von Blockchain-Technologie und Crowdfunding wird in folgender Abhandlung von Michael Gebert aufgegriffen. Sehr interessant und damit auch ein Thema für mein bald erscheinendes Buch „Die Finanzwirtschaft in der Interetökonomie“. Natürlich wird hier noch viel anwendungsorientierte Forschung von nöten sein, aber es ist absehbar, dass sich Crowdfunding besonders gut für die Anwendung von Blockchain-Technologie eignet. Die Banken bereiten sich ja auf die neue Technologie vor (hier Handelsblattartikel Online von gestern 24.01.17) und damit nimmt die Technologie ihren Anlauf!

Und hier noch ein Literaturhinweis: Don Tapscott/Alex Tapscott: Blockchain Revolution….

Jetzt waren es nur noch 8……………

Die Verteilungsaspekte unserer Marktwirtschaft, die dieser Blog als Internetökonomie klassifiziert, werden immer stärker in Vordergrund der wirtschaftspolitischen Diskussion gestellt. In folgendem Beitrag in der FAZ-Online vom 16.1.17 geht der Ökonom Stiglitz auf das Thema ein.

Die surreale Situation, in der sich die Welt gerade befindet, bringt heute Oxfam auf den Punkt: Die reichsten 8 Milliardäre haben mehr als die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung (vor einem Jahr waren es noch über 60). Es ist eigentlich egal ob es 8 oder 80 sind – es ist auf alle Fälle beachtenswert, wie sich die Verteilungsspirale zuungunsten der ärmeren Weltbevölkerung entwickelt. Hier drohen schwere Auseinandersetzungen und soziale Krisen, die auch in Krieg und Systemeinschränkung münden können. Wer will die Fahne der Marktwirtschaft noch hoch halten, wenn die Menschen sie nicht mehr akzeptieren können? Wenn nur noch einige Wenige wirklich die großen Sahnstücke bekommen und viele andere nur die Krümel, dann funktioniert das so wichtige Anreizsystem der Marktwirtschaft und damit auch der Internetökonomie nicht mehr. Leider ist die ökonomische Forschung hier nicht sehr hilfreich – natürlich gibt es Shiller, Piketty und Stiglitz und einige andere dazu – aber die Mainstreamökonomie hinkt hinterher, genauso wie sie vor der Finanzkrise keinen wirklichen Beitrag geleistet hat. Die Rolle des Staates und der Staatengemeinschaft muss neu definiert werden (siehe den nachfolgenden Beitrag). Die Ökonomen sollten diskutieren:

– wie können weltweit Mindeststeuerstandards erreicht werden, die dazu auch ökologisch sinnvoll wären?
– warum werden die Steuervorteile der Fremdfinanzierung nicht beschnitten (geringere Bedeutung des Tax shields)?
– wann endlich wird der Staat wieder aktiver in Sachen Investitionsförderung und Humankapitalentwicklung (Ausbildung…)?
etc…………

Die jetzt beginnende Epoche des Populismus mit Trump an der Spitze kann schwerwiegende Konsequenzen für die Gesellschaften und die Weltpolitik haben – in den USA wählen frustrierte Menschen einen Trump und Engländer einen Brexit, weil sie denken, den sog. Eliten damit eines auszuwischen. Doch wie kommen diese Wähler dazu anzunehmen, dass dies zu ihrem Vorteil gereicht? Eigentlich sind die Muster immer dieselben: verhetzte Menschen lassen sich in die Irre leiten und wundern sich dann über die Konsequenzen! Die Medien hängen an den Lippen von Trump, der durch seine Tweets kein einziges Sachproblem lösen wird, aber zur Ablenkung beiträgt……

Hier übrigens ein guter Artikel zur aktuellen Trump-Diskussion (Stand 16.1.17): da sich ja die historischen Ereignisse überschlagen (Trump hat in einem akturellen Interview so nebenbei die Nato obsolet erklärt und die EU verunglimpft – den Brexit für gut befunden) möchte ich das hier anfügen….