Archiv Mittwoch 25th 2020f November 2020 01:26:51 PM

Bitcoin und Ether: zu teuer für Einsteiger?

Es ist offenkundig, dass die Kryptowährungen – vornan Bitcoin und Ether – eine Hausse erleben, die nicht ganz unerwartet kommt. Leider verteuert sich dadurch für Einsteiger der Eintritt in die Kryptowelt, denn die Zahlungsdienstleister Square und PayPal kaufen fast die gesamten neu geminten Bitcoins auf (siehe https://www.btc-echo.de/bitcoin-verknappung-paypal-und-square-kaufen-neues-btc-angebot-leer) . Wir haben es demnach mit einer Angebotsverknappung und mit einem Trend fallender Bitcoin-Börsenreserven zu tun. (Lt. Btc-Echo s.o.) Seit Februar dieses Jahres sinkt der von Börsen gehaltene BTC-Supply von ehemals 2,97 Millionen Coins um knapp 20 Prozent auf aktuell 2,37 Millionen. Gleichzeitig verteilt sich das Angebot auf immer mehr Adressen. Offensichtlich treibt das die Kurse.
Was nun wieder zu der Frage führt, wie solche Marktveränderungen auf potentielle Krypto-Einsteiger wirken. Es war klar, dass nach der PayPal-Ankündigung der Bitcoin Integration von vor ein paar Wochen die Kurse steigen, aber dennoch sind viele Privatanleger nicht auf den Zug aufgesprungen (die „Spatzen haben es ja laut, aber nicht zu laut von den Community-Dächern gepfiffen“).
Verhaltensökonomisch kann das so interpretiert werden, dass hier eine extreme Risikoscheu (entsprechend der Prospekttheorie von Kahnemann/Tversky) mit der Ambiguitätsverzerrung (also der Neigung der Anleger, wegen mangelnder Informationen und viel Unsicherheit die Möglichkeiten von Vermögensgewinnen zu verpassen) zusammentrifft und vielleicht negative Konsequenzen für den privaten Vermögensaufbau hat, denn Kryptowährungen sind heutzutage – neben Aktien – die einzige Vermögensanlage, die fundierte Vermögenszuwächse ermöglichen. Auch wenn es viele Menschen nicht glauben wollen: Kryptoassets gehören wie Immobilien, Aktien o.ä. ins Portfolio. Die Finanzwirtschaft ist heute besser in der Lage, die Vorgänge auf diesen Märkten mit Hilfe der Behavioral Finance zu analysieren und komplexe Entscheidungsumgebungen aus psychologischer Sicht zu interpretieren.
Angesichts der o.g. Fakten (Verknappung des Angebotes und Einstieg von Zahlungsdienstleistern) kann man davon ausgehen, dass der Bitcoinkurs weiter steigen wird (Rückschlagpotential gibt es natürlich immer noch), aber es bleibt weiterhin eine unbefriedigende Distanz zu der Masse der Kleinanleger, die hier eine Chance verpassen, weil sie dem Markt und dem Vehikel nicht trauen.
Übrigens hat auch Ether mit dem Umstieg auf Ethereum 2.0 (neuer Konsensmechanismus) eine Story bereit für zukünftig wachsende Kurse. Die Kurse sind in der letzten Woche um über 30 % gestiegen.
Eine Lösung könnte sein, mehr Aufklärung zu leisten und die Kryptoinstrumente besser zu erklären. Dies gelingt den Anbietern und Kommunikatoren nur ungenügend.

Crowdinvesting: Rekord bei der Tomorrow-Bank

Das Hamburger Fintech Tomorrow hat in einer ziemlich einzigartigen Crowdinvesting-Kampagne Mitte Oktober in wenigen Stunden 3 Mio. Euro eingesammelt und damit unter Beweis gestellt, dass Narrative und „Stories nach Robert Shiller“ die Haupttreiber der Motivation bei solchen Kampagnen ausmachen.
Tomorrow hat selbst keine Banklizenz (das Unternehmen nutzt die Whitelabel-Bank Solaris); für seine rund 40.000 Kunden (Einlage bisher knapp 73 Millionen Euro) werden Angebote im Bereich nachhaltiger Fonds gemacht – das ist sicher alles schön anzuhören, aber die Bank bietet eine überschaubare Anzahl an Produkten an – lt. Finanzszene.de hat die Bank in diesem Jahr im Monatsschnitt erst 27.500 Euro Umsatz gemacht.
Interessanter ist die Art des Crowdinvestings: mit Hilfe des Enablers Cashlink wurden über die Crowdinvesting Plattform WiWin tokenisierte Genussrechte herausgegeben, also digitale Wertpapiere – offenbar gibt das die Regulierung in Deutschland her (bis zu 6 Mio. € können über Nachrangdarlehen und Genussrechte können per Crowdinvesting eingesammelt werden) – das Projekt könnte Vorreiter für die Finanzierung mittels sog. Security Tokens sein. Vorteile der Blockchain-basierten Finanzierung sind Kostensenkungen und vereinfachte Transaktionsprozesse, denn die Verwaltung vieler Investoren (Audits, Unternehmensberichte, Steuern etc.) bringt bei herkömmlichen Crowdinvesting Projekten viel Aufwand mit sich. Zudem ist geplant (wenn auch das die Regulierung hergibt), einen Sekundärmarkt für solche Token zu etablieren.
Die Laufzeit der digitalisierten Genussrechte liegt zwischen fünf und maximal zehn Jahren, die Investoren erhalten 5 Prozent Zinsen pro Jahr – diese werden allerdings erst rückwirkend ausgezahlt. Neben der Verzinsung gibt es eine Gewinn- und Exit-Beteiligung. Die Anleger könnten auch alles verlieren, wenn das Projekt scheitert.
Die große Frage bei solchen Projekten ist, wie weit das Narrativ trägt. Die Investoren schenken den Aussagen von Tomorrow Glauben, dass die Bank in dem komplexen Dschungel der Finanzmärkte wirklich eine genügend große Nische für die intrinsisch motivierten Anleger findet. Eine Realisierung hängt aber von der Qualität der Produkte, dem Marketing und dem Management ab. Immerhin gibt es schon Banken wie die GLS-Bank, die in diesem Markt bereits erfolgreich agieren.