Archiv Freitag 19th 2020f Juni 2020 11:50:15 AM

Wirecard…..ein Versagen auf vielen Ebenen: die Blockchain sollte übernehmen!

Mittlerweile ist Wirecard pleite – die Ereignisse überschlugen sich in dieser Woche. Die Aktie ist ein Pennystock; den Ausgang nahm diese Entwicklung, weil der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young letzte Woche das Testat verweigerte, im wesentlichen, weil über Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von insgesamt 1,9 Milliarden Euro „keine ausreichenden Prüfungsnachweise“ erlangt werden konnte. Schon im letzten Jahr hatte die Financial Times über Unregelmäßigkeiten berichtet, das führte aber nur dazu, dass die Firma in den Abwehrmodus schaltete und die Bafin Leerverkäufe verbot – was angesichts eines drohenden Dilemmas ohnehin schon bemerkenswert ist (Finden Sie hier sehr gut zusammengestellt: eine Zustandsbeschreibung von Finanz-Szene.de Genannte Finanz-Szene hat denn auch letzte Woche Freitag (19-06-20) eine Analyse veröffentlicht, die sehr lesenswert ist (siehe hier)

Daher möchte ich mich nur auf das Fragen beschränken: wie ist es möglich, dass bei einem sehr großen Zahlungsdienstleister (laut Statista mit einem Jahresumsatz von 2 Mrd.€ in 2018 – die Zahlen für 2019 sind ja nicht testiert) solche Beträge nicht nachgewiesen werden können, wieso haben wir überhaupt eine Aufsicht, die bereits in der Finanzkrise sich nicht mit Ruhm bekleckert hatte, und was macht das Ganze mit dem Zahlungsverkehr im Internet – immerhin boomt ja das Geschäft seit Corona und viele Menschen nutzen verstärkt den Onlinehandel? Wir haben keine Antworten auf diese Fragen, aber es ist hervorzuheben, dass die reflexartigen Antworten auf die Veröffentlichungen der Financial Times im letzten Jahr irgendetwas mit der Einschätzung zu tun haben müssen, dass ein großes deutsches Finanzunternehmen (zudem noch eine Art FinTech) doch nicht so einen Schlamassel verursachen kann. Die Aktie kam in den DAX und große Fonds haben umfangreich in die Aktie investiert und damit auch Kleinanleger mit ins Boot geholt.

Wirecard ist ein Beispiel für Unfähigkeiten von Wirtschaftsprüfern, Managern und Aufsicht. Ein vorsichtiger Anleger hätte aber schon im letzten Herbst darauf kommen können, die Finger von der Aktie zu lassen. Gut ist, dass das Desaster Raum schafft für alternative Zahlungsdienstleister oder …die Blockchain.
Wirecard und die Reaktionen auf den Betrug bei Politikern und Medien zeigen auch Züge gewisser Ahnungslosigkeit…die Internetökonomie braucht Zahlungsdienstleister wahrscheinlich gar nicht mehr….die Blockchain kann übernehmen! Siehe den Beitrag von BTC-Echo von heute 26-06-20!

Corona-Paradox: Aktienrallye und wirtschaftlicher Niedergang

Oft fragen mich Studenten, wieso die Aktienmärkte in Zeiten, in denen wirtschaftliche Rezession oder fast schon Depression herrscht, ein so starkes Wachstum hinlegen: der S&P 500 stieg seit dem tiefsten Stand im März um fast 40 %, der DAX sogar um über 45 %. Und nicht nur Studenten fragen dies, sondern es herrscht allgemein eine Irritation über so eine starke Abkoppelung der Aktienmärkte von der Realwirtschaft. Sicher, an den Märkten wird mit der Zukunft gehandelt, aber dies reicht hier für eine Erklärung wohl nicht aus. Die realen Wachstumserwartungen lt. IMF für den Euro-Raum im Jahr 2020 liegen bei – 7,5 % (2021 bei 4,7 %), für die USA bei -5,9 % (2021 bei 4,7 %) und China bei nur 1,2 % (2021 bei immerhin 9,2 %). Dies sind keine guten Zahlen und können den Zustand der Aktienmärkte nur mäßig erklären.
Andererseits gibt es auch Gewinner in diesem Feld: nämlich einige Unternehmen der Internetökonomie wie Apple, Amazon, Alphabet, Facebook, Microsoft. Die Aktien dieser „Big Five“ haben in der Zeit von März bis Anfang Juni 2020 im Schnitt um 12 % dazugewonnen (Amazon allein 25 %): offenbar macht sich dies im Index bemerkbar, wenn diese „Big Five“ ca. 20 % der Marktkapitalisierung des S&P 500 ausmachen.
In Europa gibt es keine solche digitalen Schwergewichte, hier kommt eher ein anderer Faktor ins Spiel, nämlich die massiven Stützungskäufe und Hilfspakete der Notenbank und der Regierungen. Allerdings sollte hier die Frage untersucht werden, wer am meisten von diesen Paketen profitiert. Kauft die Notenbank Unternehmensanleihen auf, hilft das eher großen Kapitalmarkt-orientierten Unternehmen. Große Konzerne wie TUI und Lufthansa erhalten zudem erhebliche staatliche Hilfen (TUI erhält einen staatlichen Kfw- Kredit in Höhe von 1,8 Mrd. € und Lufthansa realisiert ein Hilfspaket in Höhe von 9 Mrd. €).
KMU erwirtschaften rund 44 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und stellen fast die Hälfte aller Arbeitsplätze. Sie haben häufig keinen Zugang zum Kapitalmarkt und sind mit zu wenig Liquiditätsreserven ausgestattet. Wenn also eine Gruppe die Realwirtschaft repräsentiert, dann sind es diese Unternehmen. Sobald die Banken hier ihre Ampeln auf Rot stellen, weil die Bonität dieser Unternehmen einbricht, dann hat dies erhebliche Auswirkungen. Es wäre berechtigt, die Ausrichtungen der ganzen Hilfspakete zu hinterfragen: wäre es nicht besser gewesen, mit Garantien für mittelständische Unternehmen großzügiger umzugehen und die Kapitalbasis dieser Unternehmen auch mit innovativen Finanzprodukten zu stärken, wenn man wirklich der Realwirtschaft helfen wollte?
Insgesamt gesehen deuten sich sektorspezifische Verwerfungen an: digitale Unternehmen und Dienstleister profitieren, die Gesundheitsbranche ebenfalls, aber mittelständische Dienstleister im Gastronomie- und Tourismusbereich erleben die schlechtesten Umsatzzahlen seit langem. Die in Deutschland so wichtige Automobilindustrie kämpft mit einem hohen Absatzrückgang und wird wohl auch bald Entlassungen ankündigen müssen, das Tal der Tränen wird zudem von strukturellen Problemen vertieft. Alle die zuletzt genannten Faktoren haben erheblichen Einfluss auf die Realwirtschaft, aber es ist nicht verwunderlich, wenn die Instrumente der „Old Economy“ hier nicht weiterhelfen.
Diese Krise ist so außergewöhnlich und die Lernkurve kann gar nicht so steil werden, so dass die alten Instrumente auf keine offensichtlichen Alternativen stoßen.