Archiv Freitag 30th 2017f Juni 2017 10:29:14 AM

Konsequenzen der Internetökonomie

Die Beiträge auf diesem Blog sind überwiegend auf wirtschaftliche und technische Veränderungen im Rahmen der Internetökonomie bezogen. Dabei wird des öfteren darauf hingewiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Wohlfahrt, Technologie und Verteilung gibt. Die Prozesse der Veränderung dynamisieren sich ständig und sind getrieben von den technologischen Faktoren. Die Internetökonomie mit Big Data, Blockchain-Technologien und Algorithmenherrschaft ist eben nicht nur eine Technologie, sondern sie ist eigentlich die Grundlage einer neuen Art zu wirtschaften und zu denken!

Ein betriebswirtschaftliches Beispiel aus einer wichtigen Studie von BCG, die hier schon einmal auf diesem Blog erwähnt wurde, verdeutlicht rudimentär das Problem der Substitution von Arbeitskräften:
„A human welder (Schweißer) today earns around $25 per hour (including benefits), while the equivalent operating cost per hour for a robot is around $8 when installation, maintenance, and the operating costs of all hardware, software, and peripherals are amortized over a five-year depreciation period. In 15 years, that gap will widen even more dramatically. The operating cost per hour for a robot doing similar welding tasks could plunge to as little as $2 when improvements in its performance are factored in.“

Andererseits ist die Künstliche Intelligenz (KI) wegweisend. KI, wie das Computerprogramm Watson von IBM, das in Mili-Sekunden Datenbanken für medizinische und viele andere Zwecke durchforstet und letztendlich zu einem semantischen Suchprogramm führt, wird die Wirtschaftswelt nachhaltig beeinflussen. Watson kann „den Sinn einer in natürlicher Sprache gestellten Frage erfassen und in einer großen Datenbank, die ebenfalls Texte in natürlicher Sprache umfasst, innerhalb kurzer Zeit die relevanten Passagen und Fakten auffinden. Eine derartige Software könnte in vielen Bereichen, etwa der medizinischen Diagnostik, komplexe Entscheidungen unterstützen, insbesondere wenn diese unter Zeitdruck getroffen werden müssen“ (Zitat Wikipedia zu Watson)-

Folgendes Zitat wird dem Wirtschafts-Nobelpreisträger Leontief zugeschrieben:
„Die Geschichte des technologischen Fortschritts der letzten 200 Jahre ist im Grunde die Geschichte der menschlichen Rasse, wie sie langsam, aber sicher versucht, den Weg zum Paradies wieder zu finden. Was würde allerdings passieren, wenn ihr dies gelänge? Alle Güter und Dienstleistungen wären verfügbar, ohne dass dafür Arbeit notwendig wäre, und niemand würde einer Erwerbsarbeit nachgehen. Nun heißt arbeitslos sein auch, keinen Lohn zu empfangen; so würden die Menschen, wenn sie auf die neue technologische Situation nicht mit einer neuen Politik der Einkommensverteilung reagieren würden, im Paradies verhungern …“
– Wassily Leontief“ (aus Wikipedia zum Paradies-Paradoxon, die Quelle ist allerdings nicht direkt Leontief, insofern ist die Urheberschaft nicht eindeutig).

Wir wollen in diesem kurzen Beitrag die Technologiediskussion nicht vertiefen, doch fehlt in der ganzen Betrachtung zuweilen das „große Ganze“: vereinfachend ausgedrückt bewegen wir uns tatsächlich in diese Richtung der Roboterisierung und der Künstlichen Intelligenz (und damit des Wegfalls von Arbeit) und viele Politiker und Ökonomen haben keine Vorstellung davon, wie der Sozialstaat in Zukunft aussehen kann. Da die Menschen Probleme mit der richtigen Einschätzung von exponentiellen Wachstumsprozessen haben und sich ein Unbehagen bezüglich der dynamischen Zukunftsentwicklung einstellt, ist es nicht verwunderlich, wenn sich hier kein Vertreter der häufiger erwähnten „Elite“ aus der Deckung wagt. Bedauerlicherweise kann dies zu Verwerfungen bis hin zu extremen Krisen (auch gewaltsamen Krisen) führen, wie die momentan anhaltende Populismus- und Globalisierungsdiskussion zeigt. Das oben erwähnte Paradies-Paradoxon kann als Bild dazu verleiten, sich mit diesem Zusammenhang von „Paradies“ und Verelendung zu beschäftigen. Ehrlich gesagt: Im Paradies zu verhungern, ist keine Option!

Interessant ist auch folgender Debattenbeitrag zu diesem Komplex von der Website Algorithmwatch!

Alle wollen was gegen die Ungleichheit tun….IWF, OECD…vielleicht schon zu spät…

In folgendem Online-Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 10-4-17 wird die Dramatik der aktuellen wirtschaftspolitischen Situation deutlich, doch hören die Worte zu wenige: „Der technologische Fortschritt lasse die Preise von Investitionsgütern „steil fallen“..“ also die Preise von Robotern und Maschinen..

Wenn der IWF und andere internationale Organisationen vom neoklassischen Glauben abfallen und die Probleme der Internetökonomie auf den Punkt bringen, wird die Befürchtung befeuert, dass „die Hütte brennt“.
Der IWF fordert in dieser Studie Fortbildung und Umverteilung, dabei wurde über eine „Maschinensteuer“ schon Ende der 80-er Jahr gesprochen. Die Diskussion über ein Grundeinkommen bleibt theoretisch….

Es ist tragisch, dass die Menschen technische Entwicklungen, die exponentiell verlaufen, nicht so richtig einschätzen können – noch tragischer ist es, dass die sog. „Eliten“ da keinen Unterschied machen und diese Herausforderungen – auch für Ihre eigenen Interessen – zu spät erkennen.

Dazu passt ganz gut dieser Spiegel-Online-Kommentar vom 16.06.17, wo die Einseitigkeit der deutschen Wirtschaftswissenschaftler kritisiert wird.

Das Projekt Ethereum

Ethereum ist eine weiter gefasste Ausprägung der Blockchain-Technologie, die eine Plattform darstellt, auf der Programmmierer und Entwickler verschiedene Dienste und dezentrale Anwendungen in Form sog.“Smart Contracts“ kreieren. Ethereum ist auch mit einer Währung verknüpft (Ether), die ale Transaktionsvehikel, aber auch als Sicherungsinstrument genutzt werden kann. Im Gegensatz zu Bitcoins hat das Projekt Ethereum eine größere Dimension, denn Ethereum soll zukünftig eine Plattform für dezentrale Dienste und Organisationen darstellen. Zitat von BTC-Echo:

„Bei vielen Blockcahins wie Bitcoin oder Ethereum werden Server und Clouds durch tausende von so genannten “Nodes” ersetzt, die von Freiwilligen aufgesetzt werden. Klassisch, d.h. im Fall von Bitcoin, leisten diese eine wichtige Aufgabe bei der Aufrechterhaltung des Payment-Netzwerkes: sie überprüfen und speichern jeden Block in der Blockchain und überprüfen auch die einzelnen Transaktionen, die mittels der Ethereum eigenen digitalen Währung Ether abgewickelt werden. In der Welt von Ethereum redet man hier auch weniger von einer digitalen Währung, sondern vielmehr von “Gas” oder Treibstoff der für die Aufrechterhaltung des Netzwerks benötigt wird.

Im Fall von Ethereum sind es so genannte ”Smart Contracts”, die aus diesem Netzwerk einen dezentralen Computer machen. Smart Contracts sind, wie der Name suggeriert, intelligente Verträge, d.h. kleine Programme, welche auf dem Ethereum-Netzwerk laufen und beispielsweise Transaktionskonditionen von Ethereum regeln können. Die Nodes sind also neben den genannten Aufgaben bei Ethereum auch zur Prozessierung dieser Verträge verantwortlich.“ Golem bietet hier eine gute Einführung in die Ethereum-Thematik.

Eine interessante Karriere hat Joe Lubin, der Mitbegründer des Projektes Ethereum, hinter sich. Er war Banker bei Goldman Sachs und er war Musiker, bis er 2014 das Projekt Ethereum mit auf den Weg brachte. In dem hier beigefügten Link zu Consensys finden Sie u. ein Gespräch mit Joe Lubin, der das Projekt erklärt.

Cryptowährungen wie Bitcoin und Smart Contracts werden in Zukunft noch stärker Thema dieses Blogs sein, denn sie sind Ausdruck der Dominanz der Internetökonomie.
Hier nun der Link zu dem Blockchain-Video.

Zusätzlich verweise ich auf eine visuelle Erklärung der Blockchain in diesem Video!