Archiv Freitag 12th 2014f Dezember 2014 04:50:03 PM

Essay: Die Bedeutung von Geld in der Internetökonomie…..

Henry Ford sagte angeblich mal: „Eigentlich ist es gut, dass die Menschen unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh“. Offensichtlich gibt es ein fundamentales Missverhältnis zwischen der Bedeutung von Geld und Finanzvermögen und dem alltäglichen Verständnis von Geld von großen Teilen der Bevölkerung inklusive der Profis in der Finanzwirtschaft. Die Profis wollen mit diversen Produkten Geld verdienen, die deren Kunden teilweise oder gar nicht verstehen und die allgemeine Bevölkerung will Geld nutzen, um ihr Leben zu bestreiten, ohne die Details wirklich verstehen zu wollen.
Dabei sind einige Aufgaben der Bank- und Finanzwirtschaft wirklich bedeutsam und nicht zu unterschätzen…………..siehe weiter hier Was bedeutet eine kryptische Währung für die Finanzwirtschaft und für die Unternehmen

Neues Kleinanlegerschutzgesetz von Bundesregierung verabschiedet

Bevor Crowdfunding in Deutschland so richtig Fahrt aufnehmen konnte, wird es auch schon von der Bundesregierung fast verunmöglicht. Die vorgesehenen Regulierungen betreffen den Kern von Equity-Crowdfunding:

– nur bis zu 1000 € können Anleger ohne Vermögenserklärung investieren – die absolute Obergrenze liegt bei 10.000 €. Es stellt sich schon die Frage, wie so die vielleicht notwendigen Summen von mehreren 100 T€ zusammen kommen sollen.

– die Prospektbefreiung in dem Gesetz für Crowdfunding gilt nur bis 1 Mio. € und auch nur für Nachrangdarlehen – warum hier Genussrechte nicht ebenso erfasst werden können, bleibt schleierhaft. Nachrangdarlehen sind eindeutig nur Equity-Vehicel für viele Plattformen gewesen und sie gehören zu den sog. Debt-Mezzanine, d.h. sie sind schwer mit Eigenkapitalelementen verknüpfbar (Regelungen zur Verlustbeteiligung, Ausschüttungen, Wertermittlung für einen imaginären Geschäftsanteil am Unternehmen).

– die schwerwiegendsten Einschränkungen sind allerdings darin zu sehen, dass für die Finanzierungsprojekte der Unternehmen keine Werbung mehr in Social Media – Kanälen wie Facebook u.ä. gemacht werden darf und die erforderlichen Unterschriften des Anlegers auf dem Vermögensanlagen-Informationsblatt per Post oder per Scan nachgewiesen werden müssen (Medienbruch), was eindeutig die Anleger verschrecken könnte, denn welcher Anleger hat schon einen Scanner zu Hause oder möchte eine Brief versenden.

Alle diese Punkte (ausführliche Stellungnahme der Verbände und Anwälte siehe unten) laufen darauf hinaus, dass der vermeintliche Verbraucherschutz zu Lasten der Start-up – und Unternehmensfinanzierung ausgebaut wird und vor allem bürokratische Hürden die Entwicklung des Crowdfunding erschweren.

Das führt automatisch zu der Frage, ob es in einer Zeit von großen Verwerfungen an den Finanzmärkten und strukturellen Krisen in Europa wirklich sinnvoll ist, innovative Finanzierungsmöglichkeiten so zu erschweren, dass junge Unternehmen gar nicht mehr an Kapital herankommen können. In einer Zeit, in denen Anleger zu großen Teilen aus Risikofurcht ihr Erspartes auf Niedrigzins – oder bald auch auf Negativzinskonten – horten, in denen der Anteil der Investitionen an der Wirtschaftsleistung in Deutschland von fast 30 % in 1980 auf zuletzt 17 % gefallen ist, ist es nicht klug, die risikofreudigeren Anleger zu verprellen und das Innvovationspotential von Crowdfunding nicht nutzen zu können.

Hier die Stellungnahme des Crowdfundingverbandes!

Hier die Stellungnahme von Osborne-Clarke-Rechtsanwälte!

Geldvermögen in Deutschland und die Alternativen für die Anlage

Wenn wir uns in diesem Blog oder an anderer Stelle Gedanken machen, wie denn das Anlageverhalten der Bürger in Richtung mehr Eigenständigkeit und weniger Bankenabhängigkeit gestaltet werden könnte (auch durch Crowdinvesting z.B.), dann ernüchtern die Zahlen der Statistik:

statistic_id153566_struktur-des-geldvermoegens-der-privaten-haushalte-2013

In Deutschland hatten die Bürger 2013 ein Geldvermögen in Höhe von rd. 5.152. Mrd. €, davon landeten der Statisitk oben folgend 71 % bei Banken und Versicherungen und nur 4 % in sonstigen Beteiligungen.

Für Crowdinvesting (also nur die Investition in Start Ups und nicht in sonstige Crowdfundingprojekte) wurden von 2011 bis zum zweiten Quartal 2014 rd. 28 Mio. € eingsetzt – dies nur eine Zahl zum Vergleich (das wären bezogen auf 2013 rd 20 Mio € oder weniger als 0,0004 %)

Strafgebühren auf Bankeinlagen – der Wahnsinn der momentanen Geldpolitik nimmt seinen Lauf………

Momentan häufen sich Meldungen, dass Banken von Unternehmern und anderen Strafgebühren auf Einlagen verlangen. Damit wird deutlich, dass die vorherrschende Geldpolitik endgültig in die von Keynes theoretisch für möglich gehaltene Liquiditätsfalle getappt ist. Trotz aller historischen Erfahrungen und trotz so vielfältiger empirischer Forschung sind die Geldpolitiker und Finanzpolitiker in alle möglichen Sackgassen geraten, in denen sie nur geraten konnten. Zum einen wird zurecht eine Regulierung von Banken betrieben (u.a. Basel 3), zum anderen werden Banken zur Kreditvergabe gedrängt, dabei wird der elementare Risikoaspekt in den Hintergrund gedrängt, der vor allem von Makrorisiken geprägt wird. Der ökonomische Sachverstand der Politik und der Administration nimmt mal wieder eine Auszeit.

All dies geschieht vor dem Hintergrund einer europaweiten Stagnation auf den Gütermärkten (mit Ausnahme des deutschen Exporterfolges), die den Eindruck einer in vielen Länder sehr hohen Arbeitslosikgeit (vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen) im Nebel der vielen kleinen Schattenkämpfe der europäischen Politiker verblassen lässt. Die Situation ist derart dramatisch, dass es der Bevölkerung nicht zugemutet werden kann, hier tiefer nach Ursachen und Auswirkungen zu suchen. Nur letztendlich wird die Frage auf die Entscheider zukommen: wollt ihr wirklich ein staatliches Verschuldungsverbot, dass zu einer Deflation und extremen Destabilisierung führt oder nicht doch lieber etwas mehr Inflation, dafür aber mehr Stabilität auf den Gütermärkten? Genau bei diesem Punkt müsste die Diskussion ansetzen, und nicht dabei, noch mehr nicht gewolltes Geld in die ertrinkenden Märkte zu pumpen…..

Beiträge zur Mittelstandsfinanzierung

Schauen Sie sich die folgenden Beiträge zu Mittelstandsfinanzierung nach der Krise an und bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil. Viele der derart diskutierten Vorteile der deutschen Finanzierungspraxis (starkte Eigenfinanzierung und Kreditfinanzierung durch Sparkassen u.ä.) sind stark vergangenheitsbezogen und deuten die Funktionsweisen eines innovativen Kapitalmarktkonzeptes nur ungenügend aus:.

Beitrag in Finance Watch

Beitrag in Wirtschaftsdienst 2011 (1)